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Dissen-Striesow Samstag, 20 Mai 2017 16:00 |  von Redaktion

Mit allen Sinnen eine vergessen geglaubte Zeit entdecken

Mit allen Sinnen eine vergessen geglaubte Zeit entdecken

12. Fest des slawischen Mittelalters am 27. und 28. Mai in Dissen

Eine ganz besondere Zeitreise lädt am Himmelfahrt-Wochenende in den Siedlungsausschnitt „Stary lud“ in Dissen ein. Zum 12. Fest des slawischen Mittelalters am 28. und 29. Mai kann das „alte Volk“ wieder Gäste aus zahlreichen Ländern begrüßen.

Wenn die Besucher das schwere Eichentor hinter dem Heimatmuseum in Dissen hinter sich gelassen haben, wird die Vergangenheit der Region lebendig. Familien in schlichten Leinen- und Wollkleidern, Krieger in voller Kampfrüstung aber auch Edelleute in feinen Gewändern haben hier ihr Lager aufgeschlagen. Im Schatten der Zelte, Sonnensegel und Grubenhäuser herrscht geschäftiges Treiben. Nur wenige Schritte bringen die Besucher an diesem Mai-Wochenende mehr als 1000 Jahre zurück - in eine Zeit, in der das Feuer noch mit Feuerstahl und Stein entzündet wurde, wo die Spindel tanzte und  der Stoff am Gewichtswebstuhl aufwändig hergestellt werden musste; in eine Zeit, in der auf dem Speiseplan ganz oft ganz andere Gerichte zu finden waren als in der heutigen heimischen Küche.

Historische Gewerke

Die Besucher haben auf dem Museumsgelände die Möglichkeit, den verschiedenen Handwerkern über die Schulter zu schauen. Sie können die wuchtigen Schläge des Steinmetzes verfolgen oder die flinken Bewegungen bei der Herstellung einer Glasperle. Das Färben von Stoffen wird ebenso demonstriert, wie das Gießen von Bronzeschmuckstücken. Auch heutzutage recht ungewöhnlich erscheinende Textiltechniken, wie Sprang oder die Nadelbindung, werden vorgeführt. Hier kann sich der Besucher davon überzeugen, wie viel Wissen und Fingerfertigkeit für die Gewerke unserer Vorfahren nötig waren.

Es darf auch in brodelnde Kessel geschaut werden. In manchem Topf ist jedoch kein Essen. Hier werden farbige Wollstränge aus dem Färbesud gezogen und zum Trocknen auf die Leine gehängt.

Hoch über allem wacht das Storchenpaar, welches seit dem letzten Jahr im Siedlungsbereich zu Hause ist und sich nur bei zu viel Trubel oder wenn die Krieger klirrend ihre Waffen schwingen und mit lautem Krach die Axt auf den Schild prallt, lieber in die nahegelegene Spreeaue zurückzieht.

Geschichtsvermittler

Diesen umfassenden Blick in die Geschichte könnten die festen Bewohner von „Stary lud“ allein nicht bieten. Deshalb haben sie sich viele Freunde eingeladen, die sich praktisch und theoretisch historisch mit den slawischen Kulturgruppen sowie mit deren „Anrainern“ wie  z. B. den Wikingern, Groß Mährern, Ottonen und Franken auseinandersetzen. Geschichtsversessene und Geschichtsvermittler aus allen Teilen der Bundesrepublik wie Bayern, Bremen, Berlin und  Sachsen werden neben den Gästen aus den Niederlanden, aus Dänemark, Weißrussland, aus der Tschechische Republik und Polen den Siedlungsausschnitt bevölkern. Dabei werden sie den Besuchern die verschiedenen mittelalterlichen Lebensrealitäten näher bringen. Mit dabei sind u. a. die tschechische Gruppe „Skjaldborg“ und die polnischen Kriegergruppe „Družyna Wojow Serbo Biełoboh“ oder die hiesige „Druzyna Byk“, die „Stary lud“ seit Jahren während des Festes und zu anderen Gelegenheiten begleiten.

Entdecken erlaubt

In Dissen müssen sich die Besucher nicht auf scheinbar ausgetretenen Pfaden eines Museumsbesuches bewegen! Hier darf auch die Wiese betreten werden (solange es nicht die Walderdbeeren sind)!

Jegliche Fragen zum mittelalterlichen Leben dürfen den historisch Gekleideten gestellt werden. Selbst entdecken ist angesagt, mit den eigenen Sinnen eine längst vergessen geglaubte Welt begreifen, oder auch einfach nur zuhören. Kostproben aus dampfenden Töpfen und Pfannen werden gereicht, laut erschallen im Hintergrund die Schallmeien und Flöten. Hier werden die Besucher herzlich eingeladen, zu einer gemeinsamen Zeitreise zum Fühlen, Genießen und Mitmachen.

Mittelalter für Kinder

Die jüngsten Besucher können sich in verschiedenen Handwerken ausprobieren oder sich das Fest bei einer „Entdeckungsralley“ auf ganz eigene Art erschließen. Wer das Rätsel gelöst hat, kann an einem kleinen Gewinnspiel teilnehmen.

Am kleinen Götterhain hinter der Palisade können die jungen Gäste zu ausgewählter Stunde und unter Anleitung aus kleinen Holzstücken Taschengötter oder Holzpfeifen schnitzen.

Unterhaltung

Mittelalterlichen Instrumente der Musikgruppe „Eygenart“ aus der Heimat der Ukranen im heutigen Mecklenburg, entfesseln die  Kraft alter Weisen derart, dass es kein Schlagzeug oder E-Gitarre braucht, um das Publikum in ihren Bann zu schlagen. Im Lager der Spielleute wird eine kleine Ausstellung mit Musikinstrumenten aus vielen Jahrhunderten zu bestaunen sein.

Geschichtenerzähler in der Siedlung und im Museum geben Märchen, Sagen und Legenden aus alter, alter Zeit zum Besten.

Geöffnet ist das Fest des slawischen Mittelalters am 27. Mai von 11 bis 18 Uhr und am 28. Mai von 11 bis 17 Uhr.

Aufgrund des Feiertages wird es in diesem Jahr kein wissenschaftliches Kolloquium am Freitag geben.

Zum Schluss eine kleine Bitte: „Wir möchten die Besucher bitten, keine eigenen Kostüme oder Trachtenrekonstruktionen zu tragen, es sei denn, dies ist im Vorfeld mit der Projektleitung abgesprochen“.

 

pm/red

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