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Senftenberg Montag, 13 März 2017 10:57 |  von Redaktion

Premiere in Senftenberg: Faust in ursprünglicher Gestalt

Premiere in Senftenberg: Faust in ursprünglicher Gestalt

Tilo Esches bildgewaltige Inszenierung von FAUST IN URSPRÜNGLICHER GESTALT feierte am 11. März Premiere auf der Großen Bühne des Senftenberger Theaters

Faust glaubt nicht mehr daran, dass es noch Dinge gibt, die ihn überraschen können. Seines Lebens überdrüssig, taucht er in einer mysteriösen Bar in seine Erinnerungen ab und trifft den Teufel persönlich. Der gewährt Faust einen Blick in eine düstere Zukunft. Die persönliche Katastrophe sei nur abzuwenden, so Mephisto, wenn er einen Pakt eingehe.

Wie in Goethes späteren Bearbeitungen des Stoffes erleben wir auch in dieser ersten Fassung den Gelehrten auf der verzweifelten Suche nach Sinn und Wahrheit, die ihn über die Grenzen des Verstandes hinausführt. Im Zentrum steht die Frage: Sind wir in der Lage das Richtige und Falsche zu erkennen oder treffen wir am Ende doch die falsche Wahl?

Fragmente und Versatzstücke

Der Text, auf den die Senftenberger Inszenierung zurückgreift, entstand zwischen 1772 und 1775. Goethe selbst hat sein Manuskript offensichtlich vernichtet. Doch Jahrzehnte nach dem Tod des Dichters tauchte im Nachlass des Weimarer Hoffräuleins Luise von Göchhausen eine als URFAUST titulierte Abschrift des Textes von 1777 oder 1778 auf, die Erich Schmidt 1887 als FAUST IN URSPRÜNGLICHER GESTALT veröffentlichte. In späteren Jahren distanzierte sich Goethe von seinem fragmentarischen Frühwerk und nannte es ein „höchst konfuses Manuskript“. Diese Fragmenthaftigkeit macht einen starken inszenatorischen Zugriff im Erschließen des Stückes einerseits notwendig, öffnet den Text andererseits auch gegenüber einem solchen.

Triumph des Teufels?

Die Gretchentragödie und die Gelehrtentragödie, die in Faust I später eine tragende Rolle spielen sollen, sind schon im URFAUST in ihren Grundmustern angelegt. Die Gretchentragödie aber beginnt in dieser Urform des Stückes äußerst unvermittelt, wenn Faust Gretchen eher zufällig auf der Straße begegnet. Die Gelehrtentragödie wird von Goethe noch sehr kurz umrissen, und die Szene, in der Faust und Mephisto einen Pakt in Form einer Wette schließen, fehlt eigentlich noch ganz. In gewisser Weise hat Tilo Esche den Pakt wieder eingefügt, wenngleich der Gegenstand der Wette zwischen Faust und Mephisto hier ein anderer ist. Auf dem Spiel stehen das Scheitern des freien Willens und der Triumph des Teufels.

Groteske und Horror

Neben Elementen aus dem Phantastik- oder Horrorgenre ist eine schräge Komik wesentlicher Bestandteil der Inszenierung. Goethe hatte bei Shakespeare die Mischung von Ernst und Spaß entdeckt. Dieses Spannungsverhältnis fließt auch in Teile seines URFAUST ein. Besonders in der rauschhaften Szene in Auerbachs Keller verwendete Goethe die Kombination des Tragischen mit dem Komischen.

Premiere:

Samstag,11. März 2017, 19.30 Uhr, Hauptbühne Senftenberg

Weitere Aufführungen:

Freitag, 31.03.2017, 19.30 Uhr, Hauptbühne Senftenberg

Mittwoch, 12.04.2017, 19.30 Uhr, Hoyerswerda

 

Bewertung:
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Kommentare

  • von Ulrich Münzberg Mittwoch, 15.03.2017, 17:02

    Es ist genial, wie Tilo Esche seine Sicht auf den Urfaust umgesetzt hat. Es wird deutlich gezeigt wie groß die Macht des Bösen, des teuflischen Mephisto (Tom Bartels, ein hinterhältiger, genialer Strippenzieher) ist und dass das Böse nur durch Liebe besiegt werden. Gretchen (Alrun Herbing) küsst Mephisto und er stirbt. Alrun Herbing ist ein wunderschönes Gretchen in das jeder sofort verliebt so auch Faust (Sebastian Volk, ein gelehrter Wirrkopf). Gretchen ist eine Frau des bedingungslos liebt und alle, die sich ihrer Liebe in den Weg stellen aus den Weg räumt, sogar ihren Bruder Valentin (Mirko Warnatz). Für ihre Morde wird sie natürlich angeklagt. Aber ob sie am Ende Erlösung findet und ihre Sünden vergeben werden bleibt in der Inszenierung offen. Dennoch liefert sie tiefe Erkenntnisse. Die Kunst des Komponisten und Videokünstlers Enno Seilfried schafft grausame schöne Bilder (Visionen). Der Zuschauer reist mit Faust durch dessen Vergangenheit und Zukunft. Auch das Bühnenbild von Ulrike Reinhardt und die Kostüme Jenny Schall sind stark und erhellend. Dem Inszenierungsteam ist gelungen ein Gesamtkunstwerk zu schaffen.

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