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Senftenberg Mittwoch, 28 September 2016 14:23 |  von (Leserreporter)

Wir sind 70! Das Fest, eine wunderbare Geburtstag für das Theater Senftenberg

Phantom Phantom Steffen Rasche

Das Theater Senftenberg wird 70 Jahre feiert mit einem großen Fest. Seit dem 24.September können die Besucher an jedem Wochenende bis zum 12. November (Termine und Karten unter www.theater-senftenberg.de) gemeinsam mit den Theaterleuten feiern. Auf einem roten Teppich über den auch Stars des Hauses schreiten erreichen die Gäste das Theater und werden mit einen Glas Sekt begrüßt. Wer zeitig kommt kann vor dem Beginn des Theaterabends einen ersten Blick auf die von Hans-Peter Rößiger kuratierte Ausstellung „70 Jahre Theater in Senftenberg“ werfen. Eröffnet wird der Theaterabend mit dem Stück „Bornholmer Straße“. Der Zuschauer kann miterleben, was an diesem Grenzübergang vor 26.Jahren am 9. November nach der Pressekonferenz von Schabowski mit der Bekanntgabe der Reisefreiheit geschah. Regisseurin Sonja Hilberger hat wunderbare Bilder geschaffen. Sie sind erhellend, satirisch und tragisch zu gleich. Die Bürokratie die am Kontrollpunkt herrscht wird aufs Korn genommen. Für alles gibt es Vorschriften und was getan wird geschieht nicht ohne Befehl. Alles ist ganz einfach. Und dann ist plötzlich ein Hund im Grenzgebiet. Was nun? Er wird eingefangen und wie menschlicher Grenzverletzer behandelt. Das ist absurd und zeigt zu gleich die Hilflosigkeit der Männer an der Grenze. Die Hilflosigkeit wird noch größer als die Worte Schabowskis gehört werden. Ist das ein Witz oder Wahrheit? Was tun? Es gibt keinen Befehl und die ersten Menschen kommen schon zur Grenze. Es wird versucht einen Befehl zu bekommen. Aber von den Vorgesetzten hört man nur hilfloses Gestammel. Die Männer müssen allein Lösung finden. Das trifft vor allen diensthabenden Offizier (Friedrich Rößiger) zu. Er ist Pragmatiker. Er will den Menschen, die an der Grenze stehen, mit Vernunft und alten Regeln beikommen. Andere Offiziere setzen auf Gewalt. Es gibt einen skurrilen Streit. Aber immer mehr Menschen kommen an die Grenze und der Diensthabende befiehlt: Öffnet den Schlagbaum. Die Menschen strömen nun in den Westen. Eine beeindruckende Inszenierung. Im zweiten Teil stehen 3 Stücke zur Auswahl. In das „Phantom (Ein Spiel)“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz werden aktuelle Probleme unseres Landes behandelt. Hübner und Nemitz haben viel recherchiert und Stück geschrieben das ganz nahe an der Realität. Die Zuschauer sind vom Geschehen betroffen und müssen Stellung beziehen. In einem Burger-Restaurant wird ein ausgesetztes Baby gefunden. Wie kommt es dort hin, wer hat es ausgesetzt? Die Roma oder die Assis? Alle Spieler sind von der Situation betroffen. Mit spielerischen Improvisationen simulieren mögliche Handlungsabläufe. Die Spieler verwanden sich wechselnd in die unterschiedlichsten Protagonisten. Da ist die Bulgarin Blanca, klug und intelligent, die von der Großmutter und den Eltern nach Deutschland geschickt wird, um Geld zu verdienen und die Familie nachzuholen. Erst wird sie von ihrem Vetter abgezockt, dann von den deutschen Geschäftemachern Das sind unter anderen Vermieter und Spargelbauern. Bedrängt wird sie auch von ihrer Familie, die nach Geld ruft. Blanca lernt schnell, wie Deutschland funktioniert. Aus dem naiven Mädchen wird eine liebenswerte selbstbewusste Frau. Auf ihren Wegen begegnet sie auch der Deutschen Annica, die so ganz anders ist. Sie hat kein Selbstwertgefühl, sie ist Hartz-IV-Empfängerin und lässt sich gehen. Dann ist sie auch schwanger und damit kommt sie auch nicht klar. Blanca führt ihr den Haushalt, hilft bei der Geburt, bei der Betreuung des Babys und hilft so, dass sie menschenwürdig leben kann. Eines Tages als Blanca von Arbeit kommt, steht ihre Tasche vor der Tür und aus Wohnung ist kein Kindergeschrei zu hören. Wo ist das Kind? Die Frage wird nicht beantwortet. Hier ist die Fantasie des Zuschauers gefragt. Eine Inszenierung, die nachdenklich und betroffen macht. Regisseur Tilo Esche hat die Schauspieler Anita Iselin, Tom Bartels, Robert Eder, Marianne Helen Jordan und Nadine Ehrenreich (Foto) wunderbar geführt. Ihr Spiel bewegt die Herzen die Zuschauer, man denkt an biblische Gleichnisse. Die szenische Collage „Der Senftenberger Weg“ (Uraufführung), Textzusammenstellung Jörg Hückler, ist eine Reise durch die Geschichte des Theaters und der Region Senftenberg. Regisseurin Esther Undisz hat eine tolle Revue mit Spiel, Tanz und Musik geschaffen. Für den musikalischen Sound sorgen Mirko Warnatz und Sigurd Noack, auch mit Liedern von Gundermann. Wer die Revue miterlebt, wird mit hineingezogen in die Geschichte des Theaters. Szenen aus allen wichtigen Inszenierungen vom Faust über Müllers „Klettwitzer Bericht“ bis hin zu Gabriele Kappes „Camping, Camping“ werden angespielt. Texte von Erwin Strittmatter, Christoph Hein, Volker Braun, Heiner Müller, Brigitte Reimann, Hartmut Krug, Peter Hacks sind zu hören. Auch berühmte Theaterleute, die einst in Senftenberg waren kommen zu Wort. Ein Erlebnis für alle Theaterfreunde. Auch das dritte Stück ist eine Uraufführung. Oliver Bukowski schrieb für das Fest „Birkenbiegen“. Eine brandaktuelle Geschichte. Eine Familie, die nach der Wende in den Westen ging, kehrt zurück, weil sie Geschäfte mit dem Familiengrundstück am See machen will. Sie schleppen Tochter Ruby, die sich provokativ als Thälmannpionier verkleidet, mit Sie kommen an und werden freudig begrüßt. Ruby trifft auf den Ostsohn Karl, der ist schwul und Musterschüler des Engelsgymnasiums ist. Der Traum vom glücklichen erfüllten Leben im Osten zerplatz bald. Das Grundstück ist nicht nutzbar. Überall stehen Schilder: Betreten verboten. Lebensgefahr. Und das Schlimmste ist, Birken, die Bezugs- und Heimatpunkt für die ganze Familie waren sind gefällt. Es gibt keine Hoffnung mehr. Ruby und Karl kommen sich näher. Ruby will etwas für Karl tun, der immer wieder verprügelt wird und stellt sich mit einer Burka bekleidet, den braunen Mopp entgegen. Sie verprügelt kommt ins Krankenhaus. Karl holt sie da raus. Sie fahren auf ihre Trauminsel im See. Sie träumen, die Vögel zwitschern. Gibt es doch noch Hoffnung? In Szene gesetzt wurde die Geschichte von Samia Chancrin. Ihre Inszenierung ist stimmiges erhellendes Familienporträt.

Nach Beendigung der Stücke nehmen Schauspieler die Zuschauer an die Hand führen sie in den großen Ballsaal, der im Zuschauerraum und auf der großen Bühne geschaffen wurde. Intendant Manuel Soubeyrand und Friedrich Rößiger begrüßen die Gäste zu einer rauschenden Ballnacht. Sie holen die Damenband aus Berlin auf Bühne, die mit ihrem Spiel und ihrem Gesang, die Gäste betören und zum Tanzen animieren. Auch die Schauspieler verzaubern die Gäste noch mit einer Tanzrevue. Gäste und Schauspieler tanzen bis in die frühen Morgenstunden. Ein toller Ball. So etwas hat es in den letzten Jahrzehnten in Senftenberg nicht gegeben.

Die Geburtstagsfeier des Theaters ist ein großes Erlebnis. Niemand sollte sie verpassen.

Foto: Steffen Rasche

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