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Senftenberg Freitag, 23 September 2016 14:03 |  von Redaktion

Größte solarthermische Anlage Deutschlands geht in Senftenberg ans Netz

Größte solarthermische Anlage Deutschlands geht in Senftenberg ans Netz

Senftenberger Stadtwerke setzen im ehemaligen Kohlerevier auf innovative Wärmeerzeugung aus Sonnenenergie für das Fernwärmenetz.

Es scheint wie eine Laune der Geschichte, dass gerade in einem alten Kohlerevier, in dem über fast ein Jahrhundert lang das Leben der Menschen vom Abbau des Schwarzen Goldes abhing, eine der neuesten innovativen Technologien zur Wärmerzeugung in die Praxis umgesetzt wird.

Mitten im Herzen der Lausitz, wo noch vor einigen Jahren riesige Bagger Brocken für Brocken die Kohle dem Boden entrissen, da spiegelt sich heute die Sonne in Tausenden von stahlglänzenden Röhren wider. Hier, wo einst der Kohleabbau dominierte, entstand eine hoch moderne technologische Anlage, die weder den europa- noch den weltweiten Vergleich zu scheuen braucht.

Im ehemaligen Senftenberger Kohlerevier setzen die Mitarbeiter der Stadtwerke auf Spitzeninnovation und gehen heute ganz neue, spannende Wege. Mit der solarthermischen Großflächenanlage betreten sie dabei Neuland und geben gleichzeitig auch der Region ein Stück Zuversicht in die Zukunft. Den von der Natur bevorzugten Standort der Lausitz mit überdurchschnittlicher Sonneneinstrahlung nutzend, ringen sie dem Kraftwerk Sonne Höchstleistung ab und verwenden die gewonnene Sonnenenergie zur direkten Einspeisung der Wärme in das örtliche Fernwärmenetz.

Mit der Entwicklung und der erfolgreichen Markteinführung von Hochleistungsvakuum-Röhrenkollektoren eröffneten sich neue Möglichkeiten, größere Anlagen mit höherem Temperaturgewinn direkt als Erzeuger in Nah- oder Fernwärmenetze einzubinden. Diesen innovativen und technisch anspruchsvollen Weg gehen die Stadtwerke Senftenberg nun mit der Errichtung einer Großflächensolarthermieanlage auf der ehemaligen Deponie Laugkfeld der Stadt Senftenberg. Auf einer Fläche von ca. 2,2 ha wurden in Rekordbauzeit von nur sechs Monaten 1.680 Vakuum-Röhrenkollektoren auf Rahmen und Unterkonstruktionen montiert sowie ein Funktionsgebäude als zentrale Wärmeübergabestation (WÜST) errichtet. Mit einer Bruttokollektorfläche von gesamt 8.300 m² ist die Anlage für einen System-Jahresnutzungsertrag von rund 4 GWh projektiert. Damit ist die Wärmeerzeugung so ausgelegt, dass für Senftenberg insbesondere die Sommergrundlast im Fernwärmenetz abgedeckt werden kann.

Dem Projekt kommt entgegen, dass nicht nur die technischen und energetischen Parameter der Anlage stimmen, sondern in Senftenberg mit der rekultivierten Deponie eine ausreichend große Fläche mit optimaler Anbindung an das Fernwärmenetz der Stadt zur Verfügung steht. Damit entstand hier in Senftenberg nicht nur die größte Freiflächen-Röhrenkollektoranlage in Deutschland, sondern nach Herstellerangaben derzeit sogar die weltweit größte Anlage dieser Art. Errichtet wurde die Anlage vom Generalunternehmer E u. G- Energiebau GmbH Berlin in Begleitung durch die INTEGRAL Projekt GmbH & Co. KG aus Cottbus. Die Kollektoranlage selbst kommt von dem Unternehmen Ritter XL Solar, das auch für die Regelungstechnik sowie hydraulische und elektrische Planung der Solaranlage verantwortlich zeichnete. Das Herzstück der Anlage bilden die CPC-Hochleistungsvakuum-Röhrenkollektoren, die für eine optimale Ausnutzung der Sonneneinstrahlung sorgen. Die CPC-Vakuum-Röhrenkollektortechnik (Compound Parabolic Concentrator, CPC-VRK)  kann nach dem bekannten Thermoskannenprinzip mit Wasser als Wärmeträger Temperaturen von 80 bis 160 °C liefern. Die perfekte Rundumisolierung jeder Röhre durch eine Vakuumschicht sorgt dafür, dass die einmal gewonnene Wärme nicht so schnell wieder verloren geht. Das bedeutet, dass die Kollektoren ganzjährig das Strahlungsangebot der Sonne ausnutzen können. Das erwärmte Wasser wird über ein angeschlossenes Rohrleitungssystem zur zentralen Wärmeübergabestation (WÜST) geführt. Die WÜST beherbergt die Steuerungs- und Regeltechnik für die Solarthermieanlage und bildet mit einem Wärmetauscher den Übergabepunkt der solar erzeugten Wärme an das Fernwärmenetz.

Die seit dem 19. August 2016 erfolgreich im Probebetrieb laufende Anlage lieferte bereits in den ersten 14 Tagen über 350 MWh Wärme und gab diese an das kommunale Fernwärmenetz ab. Allein am Hochsommerwochende vom 26. bis 28. August 2016 waren Erträge von 85,6 MWh gemessen worden. Das bedeutete die Deckung der Wärmegrundlast für ca. 3.000 Haushalte in Senftenberg. Damit hat die Anlage, auch dank des hervorragenden Spätsommerwetters, bereits im Probebetrieb ihren ersten Praxistest über die prognostizierte Leistung hinaus bestanden. Stadtwerkechef Detlef Moschke zeigte sich beeindruckt, "in der Testphase hatten wir dieses herrliche Spätsommerwetter und der Wirkungsgrad erreichte annähernd 100%. Moritz Ritter, Geschäftsführer der Ritter Solar XL, lächelte wissend wozu seine Anlagen im Stande sind, zu dieser Aussage. "Im Normalfall arbeiten unsere Anlagen mit einem Wirkungsgrad von um die 60%. Das ist weit mehr als Photovoltaikanlagen schaffen und wir speisen direkt ins Wärmenetz ein. Die Energiewende ist ganzheitlich betrachtet weniger eine Stromwende als es eine Wärmewende sein sollte." betont er auch vor anwesensenden Mitarbeitern des Bundeswirtschaftsministeriums und des brandenburgischen Ministseriums für Wirtschaft und Energie.

Eckdaten:

Gesamtfläche: 2,2 ha

Kollektorfeld: 170 m x 120 m
Bruttokollektorfläche: 8.300 m²
Anzahl Röhrenkollektoren: 1.680
Prognose Jahresnutzungsertrag: ca. 4 GWh

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