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Senftenberg Donnerstag, 22 September 2016 18:11 |  von Redaktion

Dem Rettungsdienst Danke gesagt. 12-jähriges Unfallopfer Laura bedankt sich bei ihren Helden

Dem Rettungsdienst Danke gesagt. 12-jähriges Unfallopfer Laura bedankt sich bei ihren Helden

Mit vorsichtigen Blicken und ein wenig zögerlich betritt eine vierköpfige Familie am letzten Sonntag (18.9.) die Rettungswache in Senftenberg. Das zwölfjährige Mädchen hält in der Hand eine große Schachtel Merci-Pralinen, ein selbstgemaltes Bild mit den Worten „Danke, dass ihr so schnell da gewesen seid“ und ein kleines Buch. Sie möchte sich bei „ihren Helden“ bedanken.

Am Dienstag, den 5. August 2014 ereignete sich auf der Straße von Großräschen nach Freienhufen ein schwerer Verkehrsunfall. Ein 10jähriges Mädchen wurde durch den Sog eines vorbeifahrenden LKWs vom Radweg auf die Fahrbahn gezogen und von dem nachfolgenden PKW erfasst. Dabei wurde das Mädchen mit dem Kopf zurück auf den Bordstein geschleudert und erlitt schwerste Kopfverletzungen. Die PKW-Fahrerin rief sofort die 112 an.

Um kurz nach 8 Uhr wurde die Besatzung des Rettungswagens 2 der Rettungswache des Klinikums Niederlausitz in Senftenberg alarmiert. Aufgrund des geschilderten Unfallhergangs und den angenommenen Verletzungen war es zwingend erforderlich, dass auch ein Notarzt mit vor Ort musste. Zu diesem Zeitpunkt war der Notarzt im bodengebundenen Rettungsdienst aber schon in einem anderen Einsatz und der Rettungshubschrauber der nahegelegenen ADAC Luftrettungsstation konnte, wegen des schlechten Wetters an diesem Tag, nicht starten. Die Rettungsassistenten Achim Wendt und Robert Müller reagierten prompt. Sie hielten Rücksprache mit der zuständigen Leitstelle in Cottbus und holten kurzerhand die damals in Einsatzbereitschaft gewesene Notärztin, Claudia Wagner, von der Luftrettungsstation in der Ackerstraße, die auf dem Weg lag, ab und fuhren unmittelbar mit ihr an den Unfallort. Bei Ankunft des Rettungsteams war das Mädchen bereits bewusstlos und musste beatmet werden. Notärztin Claudia Wagner stellte ein Schädel-Hirn-Trauma 3. Grades fest. „Die Prognose war nach dem ersten Eindruck nicht gut“, erinnert sich die Ärztin, die als Anästhesistin im Klinikum Niederlausitz tätig ist. Da ein Transport mit dem Hubschrauber in die Uniklinik nach Dresden aufgrund der Wetterlage unmöglich war, stand nach der Erstversorgung fest, dass das Mädchen umgehend zur weiteren Behandlung ins Carl-Thiem-Klinikum nach Cottbus gebracht werden musste. Der Besatzung war klar, jetzt zählt jede Minute. Gegen 9 Uhr erfolgte die Übergabe an die Kollegen in der Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums. In weniger als einer Stunde, vom Eintreffen am Einsatzort bis zur Übergabe der Patientin, wurde die damals 10jährige Laura vom Rettungsteam medizinisch erstversorgt und in die nächstgelegene Spezialklinik gebracht.

Mehr als vier Wochen verbrachte Laura im Krankenhaus. Von dort aus wurde sie direkt nach Kreischa in die Rehaklinik verlegt. Und immer an ihrer Seite war ihre Mutter Jana Stolz. Sie hat ihre Tochter vom ersten Tag im Krankenhaus bis zum letzten Tag in der Reha Anfang Februar 2015 begleitet. „Das war eine harte Zeit für uns“, erinnert sich Jana Stolz zurück. Auch für den berufstätigen Vater Andreas Stolz und den damals 6jährigen Bruder Adrian war die erste Zeit sehr schwer und vor allem ungewiss. In den ersten Tagen war nicht klar, ob das Mädchen diesen Unfall überleben wird. „Wir haben zunächst mit dem Schlimmsten gerechnet“, sagt die Mutter. Und auch nach dem Erwachen aus dem Koma, war noch nicht abzuschätzen, welche bleibenden Schäden Laura durch die schweren Kopfverletzungen davontragen wird.

Doch nach und nach besserte sich Lauras Gesundheitszustand. Mutter Jana Stolz hat sie bei allen Therapien stets begleitet und immer darauf geachtet, dass auch keine Einheit versäumt oder ausgelassen wird. „Wir haben alles neu gelernt: den Kopf halten, sitzen, stehen, laufen“, beschreibt Jana Stolz Lauras Weg zurück in ein normales Leben. Die Rehaklinik haben Laura und ihre Mutter vorzeitig verlassen, weil es auch psychisch eine große Belastung war. Insgesamt fast sieben Monate hat Laura zunächst im Krankenhaus und dann in der Reha verbracht. Nun sollte es zu Hause mit den Therapien und der Unterstützung der Familie weitergehen. Und auch hier hat sich Mutter Jana Stolz um alles gekümmert.

Laura geht es heute wieder gut. Sie besucht die 6. Klasse der Oberschule und ihr Lieblingsfach ist Musik. Motorisch ist Laura noch ein wenig eingeschränkt und auch das längere Konzentrieren fällt ihr noch etwas schwer. Doch sie ist wissbegierig und geht gern zur Schule. Nach wie vor hat sie noch einen vollen Wochenplan mit Therapien: „Dienstags Physiotherapie, donnerstags Wassergymnastik und freitags Ergotherapie und Logopädie“, zählt Laura auf. Laura möchte später vielleicht einmal selbst Physio- oder Ergotherapeutin werden.

In der Reha gehörte auch therapeutisches Reiten mit zum Therapieplan. „Das hat Laura besonders gut geholfen, ihren Gleichgewichtssinn wieder zu schulen“, berichtet die Mutter. Das Klinikum Niederlausitz überreichte dem Mädchen daher einen Gutschein für einen Tag auf dem PferdeGut in Klettwitz. Hier gibt es speziell ausgebildete Therapiepferde, die unter anderem auch bei der Therapie von Schlaganfallpatienten und Patienten mit Parkinson eingesetzt werden.

Der Wunsch, unbedingt die Menschen kennenzulernen, die ihr nach ihrem Unfall damals das Leben gerettet haben, entstand bei Laura durch eine Aufgabe in der Schule. Im Unterricht sollte jeder sagen, wer für ihn ganz persönlich Helden sind. „Ich kenne meine Helden nicht. Aber für mich sind meine Helden die Retter, die mir damals geholfen haben“, berichtete das Mädchen in der Schule. Nun machte sich die Familie auf die Suche nach dem Rettungsteam, das damals so schnell reagiert und die Erstversorgung übernommen hat. So kam es zu dem Treffen, dass am letzten Sonntag in der Wache in Senftenberg stattfand.

 „Es ist schön im Nachhinein zu erfahren, dass es Laura jetzt wieder so gut geht und dass wir an dem Tag alles richtig gemacht haben“, sagt Achim Wendt freudig. „Es kommt nicht oft vor, dass wir erfahren, wie es den Patienten nach dem Rettungseinsatz geht. Umso mehr freuen wir uns, zu sehen, wie toll sich Laura entwickelt hat“, sagt Claudia Wagner mit einem Lächeln. 

Bereits von Beginn an haben die Eltern ein Buch mit vielen Fotos und den Fakten zum Verlauf der Therapie für Laura zusammengestellt. „Mit dem heutigen Besuch wollen wir nun das letzte Kapitel schließen“, sagt Jana Stolz. Auf der letzten Seite lässt das Mädchen die drei Kollegen des Klinikums unterschreiben. An dieser Stelle wird sie das gemeinsame Erinnerungsfoto einkleben. Nun weiß sie, wer ihre ganz persönlichen Helden sind und auch wie sie heißen. 

Zum Abschied umarmen Laura, ihre Eltern und Bruder Adrian noch einmal ganz fest die drei Retter. Alle sind sehr gerührt, erleichtert und glücklich, dass alles so gut verlaufen ist.

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