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Lübbenau/Spreewald Dienstag, 04 April 2017 19:43 |  von Redaktion

Prominenter Start in die 120. Kahn-Zustellsaison

Prominenter Start in die 120. Kahn-Zustellsaison

Ab heute stellt die Deutsche Post im Spreewalddorf Lehde Briefe und Pakete wieder per Kahn zu. Der Saisonstart ist dieses Jahr ein ganz besonderer: Die einmalige Zustellart gibt es jetzt seit 120 Jahren. Aus diesem Grund begleiteten der gebürtige Lübbenauer Jens Riewa, der Chef der Deutschen Post für die neuen Bundesländer, Frank Bettgenhäuser, und die CDU-Bundestagsabgeordnete Jana Schimke die erste Tour der Kahn-Postbotin Andrea Bunar. Die Saison dauert bis Oktober.

Anlässlich des 120-jährigen Jubiläums hat der Nachrichtensprecher Jens Riewa heute der Kahn-Zustellerin assistiert: Andrea Bunar hat den Kahn der Deutschen Post gestakt, Jens Riewa den Bewohnern Briefe, Postkarten und Pakete überreicht. Den gebürtigen Lübbenauer verbindet eine ganz besondere Beziehung mit der Post: Nach dem Abitur hat er einige Monate lang in Lübben mit dem Fahrrad Briefe ausgetragen. „Zu meinem Beruf gehört leider auch, dass ich schlechte Neuigkeiten berichte. Ich hoffe, dass ich heute möglichst viele positive Nachrichten auf dem Postweg überbringe“, sagte Jens Riewa. Die Briefkästen der meisten Bewohner in Lehde stehen direkt am Ufer, so dass die Postboten Briefe und Postkarten direkt vom Kahn aus einstecken können.

Insgesamt 10.000 Euro spendete Jens Riewa und Frank Bettgenhäuser, Chef der Deutschen Post für die neuen Bundesländer, dem Verein zur Hilfe Sozialschwacher in Lübbenau und der Suppenküche des Deutschen Roten Kreuz in LübbenauHeute ist die Paket- und Briefzustellung der Deutschen Post bis in den entlegensten Winkel an sechs Tagen pro Woche bundesweiter Standard. Ende der 1890er Jahre jedoch mussten die Bewohner Lehdes ihre Post sonntags beim Kirchgang abholen. Mit der Industrialisierung und der damit verbundenen Landflucht nahm der Postversand zur Kontaktaufnahme mit den Daheimgebliebenen immer mehr zu. Deshalb beschloss die Post 1897, die Sendungen per Kahn direkt zu den Kunden nach Hause zu bringen. „Viele der 65 Haushalte Lehdes haben keine direkte Anbindung zur Straße. Sie liegen auf kleinen Inseln und sind nur über die Fließe erreichbar. Die klimaneutrale und geräuscharme Kahn-Zustellung ist im UNESCO Biosphärenreservat Spreewald ideal. Wir sparen damit pro Saison 350 Kilogramm CO2-Emissionen ein. Zudem ist die Tour so kürzer und wir pflegen die 120-jährige Tradition“, sagt Frank Bettgenhäuser, Chef der Deutschen Post für die neuen Bundesländer. Aus Verbundenheit mit der Region spendeten Jens Riewa und Frank Bettgenhäuser dem Verein zur Hilfe Sozialschwacher in Lübbenau und der Suppenküche des Deutschen Roten Kreuz in Lübbenau jeweils 5000 Euro. Der Verein zur Hilfe Sozialschwacher wird für seine Obdachlosenunterkunft eine Waschmaschine, Waschmittel und Bettwäsche kaufen. Die Betreiber der Suppenküche werden die Spende für Küchengeräte und Lebensmittel einsetzen.

Für Postbotin Andrea Bunar beginnt heute ihre sechste Saison als Kahn-Zustellerin. Pro Woche stellt sie mehr als 600 Briefe, Einschreiben und Karten sowie rund 70 Pakete und Päckchen über die Fließe zu. Die Pakete können bis zu 31,5 Kilogramm wiegen. Die größten Auslieferungen waren bisher ein Heizpilz, eine Hollywoodschaukel und eine Gartenhecke. Doch Andrea Bunar bringt nicht nur die Post, sie bietet auch den Service einer kleinen Filiale an: Die Kunden können ihr Sendungen mitgeben sowie Brief-, Päckchen- und Paketmarken kaufen. Auf ihrer Tour durch Lehde leert die Postbotin auch drei Briefkästen, die an Ausflugslokalen angebracht sind.

Morgens startet die 46-Jährige ihre Zustelltour in Lübbenau mit dem Auto. Gegen Mittag steigt sie in ihren gelben Kahn um. „Meine Kahntour ist sehr idyllisch. Ich sehe unterwegs oft Rehe und Libellen, manchmal sogar Ringelnattern. Sonne gibt es gratis dazu“, sagt Andrea Bunar. Bei Wind birgt die Tour jedoch besondere Herausforderungen: „Der Aluminiumkahn ist sehr leicht, so dass er bei Windböen abdriftet. Es kostet Kraft, ihn auf Kurs zu halten“, erklärt die Postbotin. Muskelkater in den Armen ist in den ersten Wochen nach dem Saisonstart inklusive. Während der Tour legt Andrea Bunar rund acht Kilometer mit reiner Muskelkraft zurück. Bis zum Saisonende im Oktober kommen so etwa 1100 Kilometer zusammen – eine Strecke von Berlin nach Helsinki. „In den Wintermonaten stake ich nicht. Dann fahre ich mit dem Auto und laufe längere Wege zu Fuß. Manchmal sogar über vereiste Brücken und Treppen“, erzählt die Postbotin.

Sonderstempel zur Saisoneröffnung 120 Jahre Kahnzustellung; Quelle: Deutsche Post AGZum Saisonstart gibt es für Briefmarkenfreunde wieder einen Sonderstempel. Bis 2. Mai  2017 können Interessierte ihre Vorlagen unter Angabe der Stempelnummer 05/049 zum Stempeln an die Deutsche Post AG schicken: Niederlassung Privatkunden/Filialen, Sonderstempelstelle, 92627 Weiden; Pakete: Franz-Zebisch-Straße 15, 92637 Weiden.

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