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Niederlausitz Mittwoch, 26 Oktober 2016 15:16 |  von Redaktion

Konjunktur in Südbrandenburg brummt. Fachkräftemangel ist größtes Risiko

Konjunktur in Südbrandenburg brummt. Fachkräftemangel ist größtes Risiko

Die Südbrandenburger Wirtschaft befindet sich aktuell in guter Verfassung. Dr. Wolfgang Krüger bezeichnet die Lage als "strahlend blauer Himmel im Herbst," Die weiteren Aussichten sind moderat, das Investitionsklima ist gut und es bestehen positive Beschäftigungsperspektiven. Das ergibt die Auswertung der Konjunkturumfrage Herbst 2016 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus.

Bei der aktuellen Geschäftslage liegt der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen bei den befragten Unternehmen mit 46 Prozentpunkten deutlich im Plus. Hauptimpulsgeber für das Wachstum ist nach wie vor der Binnenmarkt. Steigende Beschäftigtenzahlen, höhere Einkommen und stabile Preise beleben den privaten Konsum.

Bei den Geschäftserwartungen prognostizieren die Unternehmen eine moderate Entwicklung. Allerdings hat die Skepsis im Verlauf des Jahres leicht zugenommen. Für 54 Prozent der Befragten ist der zunehmende Fachkräftemangel das konjunkturelle Hauptrisiko. Gegenüber dem Herbst 2012 hat sich dieser Anteil um 22 Prozent erhöht. "Wir haben dabei zwei Schwerpunkte. Der erste ist die Ausbildung junger Menschen, die sich meist garnicht bewusst sind über die Bandbreite an Ausbildungsberufen. Deutschlandweit bietet die IHK 340 verschiedene Berufe an, im Bereich der IHK Cottbus 240, doch die meisten kommen mit den fünf bis sechs Standardberufen. Dazu kommt, dass sich unsere Mittelständler mehr um junge Menschen kümmern müssen und es nicht mehr als Selbstverständlichkeit ansehen sollten, das es genug Bewerber gibt. Der zweite wichtige Punte sind Unternehmensnachfolgen. Eine erfolgreiche Nachfolge dauert mindestens fünf, eher zehn Jahre. Bei etwa 7.500 Unternehmen in Südbrandenburg sind die Geschäftsführer oder Inhaber 55 Jahre und älter. Doch es ist ein sehr sensibles Thema, da meist das Lebenswerk daran hängt. Wir haben nun erstmalig einen Tag der Unternehmensnachfolge ins Leben gerufen, den wir am 9.11.2016 durchführen und dort über Möglichkeiten informieren wollen, wie das Thema angegangen werden kann."

An zweiter Stelle sehen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko  - z. B. Steuer- und Rentenpolitik. Obwohl bei den Erwartungen in allen Branchen die Unsicherheit zu spüren ist, kann dennoch mit einem Wachstum gerechnet werden.

„Zur ausgezeichneten Lage trägt auch das deutschlandweite Konjunktur-Doping durch den niedrigen Ölpreis und die niedrigen Zinsen bei. Die Wachstumsdynamik lässt jedoch nach. Das heißt, wir dürfen uns keinesfalls zurücklehnen – insbesondere bei dem Thema Fachkräfte und bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“, erklärt Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. „Ein besonderes Risiko für unsere Region besteht zudem in der strukturelle Exportschwäche von Südbrandenburg in Verbindung mit dem laufenden Strukturwandel in der Lausitz.“ Den Export hat sich die IHK als weiteres Thema vorgenommen und wird ein Sonderprogramm auflegen, dass den Export von Südbrandenburger Unternehmen stärken soll.

IHK-Konjunkturergebnisse nach Branchen

In der Industrie hat sich die Lage im Vergleich zur Vorjahresumfrage verbessert. Vor allem die anhaltend hohe Inlandsnachfrage hat zu dem Aufwärtstrend beigetragen. Die Geschäftsaussichten der Industrie sind hingegen etwas gedämpfter. Das Hauptrisiko sehen die Befragten beim Inlandsabsatz. Trotz der Bedenken planen die Unternehmen die Investitionsausgaben und die Beschäftigungszahlen zu erhöhen.

Das Baugewerbe verzeichnet das beste Umfrageergebnis der letzten zehn Jahre. Maßgeblichen Anteil daran hat der Wohnungsbau. Im öffentlichen Bau - vor allem im Straßenbau - verliefen die Geschäfte allerdings schwächer. Die Erwartungen des Baugewerbes sind saisonbedingt etwas verhaltener als die Lagebewertungen. Das größte Zukunftsrisiko für die Branche ist der Fachkräftemangel. Schon jetzt können 27 Prozent der Unternehmen offene Stellen nicht besetzten.

Der Handel ist aktuell in sehr guter Verfassung. Bei den Einzelhändlern haben sich  auf Grund der hohen Konsumbereitschaft der Verbraucher die Umsätze zum Teil deutlich erhöht. Die Großhändler freuten sich über eine gestiegene Nachfrage der gewerblichen Wirtschaft. Dem zukünftigen Geschäftsverlauf sieht der Handel zwar skeptischer entgegen, die Mehrheit geht aber davon aus, dass erreichte Niveau zu halten. Die Beschäftigungs- und Investitionsbereitschaft der Händler hat zugenommen.

Das Dienstleistungsgewerbe ist weiterhin Wachstumstreiber in Südbrandenburg. Die gute Lage der Industrie und des Baugewerbes bescherten den unternehmensnahen Dienstleistern höhere Auftragseingänge. Die privaten Dienstleister profitieren von der guten Konsumlaune der Verbraucher.  Auch das Verkehrsgewerbe  verzeichnet einen erfolgreichen Geschäftsverlauf. Die Geschäftsaussichten der Dienstleister sind freundlich, dies zeigen auch die Investitionspläne. Probleme bereitet allerdings fehlendes Fachpersonal.

Foto: Harry Meyer, www.pixelio.de

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