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Nachbarn Mittwoch, 08 März 2017 22:48 |  von (4)

Die Geschichte der Erzgebirgischen Handwerkskunst

Die Geschichte der Erzgebirgischen Handwerkskunst

Die Handwerkskunst im Erzgebirge reicht vom Reifendrehen, Handschuhmacherei und Spanbaumstechen über Orgelbau bis zur Herstellung weltweit bekannter Holzfiguren. Anschauliche Informationen dazu sind in verschiedenen Museen erhältlich. Die Entstehungsgeschichte der erzgebirgischen Handwerkskunst geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Es wurden beträchtliche Vorkommen an Metallerzen entdeckt, die für die Einwohner neue Erwerbsmöglichkeiten durch Minenarbeit und die Produktion von Holz boten.

Der Abbau erfolgte in den nächsten Jahrhunderten sehr beschwerlich unter Tage. Die Arbeit war körperlich sehr anstrengend und gefährlich. Sie konnte nur durch jüngere, kräftige Männer bewältigt werden. Eine erhebliche Unfallgefahr stellten die unzureichenden Lichtverhältnisse dar. Dabei machte die Dunkelheit den Männern nicht nur unter Tage zu schaffen, sie stellte auch ein Problem zum Beginn und Ende der langen Arbeitstage dar. Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, entstand aus der tiefen Verbundenheit zum christlichen Glauben und dem besonderen handwerklichen Geschick der Familien eine ebenso praktische wie symbolische Unterstützung. Sie fertigten Licht spendende Figuren, die außer zum Schutz gegen die Dunkelheit auch Glück bringen sollten. Bei den ersten als Kerzenhalter entstandenen Figuren handelte es sich um die Motive Engel und Bergmann, die in den Familien und der Region des Erzgebietes schnell einen hohen Stellenwert und festen Platz erhielten. Dabei symbolisierten die hölzernen Engel die beschützende Macht des Himmels und die Bergmänner die Söhne der Familien mit ihrer schweren Arbeit. In der Folge entstand ab dem 17. Jahrhundert nach der zunehmenden Schließung von Bergwerken mit der kunstvollen Holzschnitzerei eine neue Beschäftigungsmöglichkeit als Haupteinnahmequelle. In einzigartigen, ideenreich gestalteten Formen und Gestalten aus Holz kamen immer neue ansprechende Motive zum Vorschein. Zu den mittlerweile Bekanntesten zählen:

Nussknacker
Räuchermännchen
Weihnachtspyramide
Schwibbögen
Reifentiere

Die Handwerksqualität aus dem Erzgebirge ist international gefragt

Der bunte Nussknacker, der mit seinen flexiblen Kiefern eine Nuss zerdrücken kann, stellt mit seinem internationalen Bekanntheitsgrad die berühmteste Holzfigur aus dem Erzgebirge dar. Die aufwendig gearbeitete und edel verzierte Figur wurde erstmalig im Jahr 1870 in der Werkstatt des Holzschnitzers Wilhelm Fürchtner gefertigt. Der ansprechend fröhlich wirkende Holzknacker wird heute in verschiedenen Ausführungen angefertigt. Die sogenannten Schwibbögen sind ebenfalls weltweit begehrt und sorgen in der Weihnachtszeit auf exponierten Plätzen für ein stimmungsvolles Ambiente in den Wohnungen, genau wie die bunten Herrnhuter Sterne. Sie fanden Ende des 18. Jahrhunderts ihren Ursprung und sind mit kleinen Figuren und Szenen reizvoll verziert. Sie erinnern mit ihren unterschiedlichen Motiven an romantische Schneelandschaften oder bekannte historische Gebäude und sind mit weihnachtlichen Symbolen ausgestattet. Sehr beliebt sind auch die mehrstöckigen Weihnachtspyramiden mit gedrechselten Säulen. Sie bilden religiöse Handlungen und Schauplätze ab und zeigen sorgfältig gefertigte, akzentvolle Figuren. Die Weihnachtspyramiden gelten als stilvoller Blickfang und zählen weltweit zur traditionellen Weihnachtsdekoration. Bereits zum Beginn der Vorweihnachtszeit bereichern attraktive Räuchermännchen mit den aromatischen Lieblingsdüften der Besitzer die Raumluft und sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Die beliebten Dekorationsartikel bilden einen zeitlosen Baustein im Brauchtum des Erzgebirges.

Die Original-Kunstwerke aus dem Erzgebirge werden seit 2006 durch ein Siegel gekennzeichnet

Liebhaber und Sammler zahlen für die begehrten Kunststücke aus Holz gerne einen angemessenen Preis. Dies hat leider in der Vergangenheit auch vermehrt gewinngierige Fälscher auf den Plan gerufen. Das unverwechselbare Siegel des heimatlichen Verbundes aus Holzkunstherstellern, Gemeinden und Tourismusverbänden trägt seit dem Jahr 2006 maßgeblich zur Klarheit darüber bei, ob es sich bei einem Produkt um ein hochwertiges Original oder eine billige, meist seriengefertigte Nachahmung handelt. Damit werden sowohl Käufer als auch die Traditionsbetriebe des Erzgebirges vor ärgerlichen Plagiaten geschützt. Die einzigartigen, unverfälschten Handwerkserzeugnisse sollen auch in Zukunft ihre kostbare Bedeutung und dadurch ihren berechtigten Preis behalten können.

Foto :Wolfgang Colditz  / pixelio.de

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