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Mühlberg Montag, 12 September 2016 12:40 |  von Redaktion

Initiativgruppe Lager Mühlberg leistet seit 25 Jahren Arbeit gegen das Vergessen

Initiativgruppe Lager Mühlberg leistet seit 25 Jahren Arbeit gegen das Vergessen

Das 26. Mahn- und Gedenktreffen in Neuburxdorf/Mühlberg hat bei der Vielzahl kriegerischer Auseinandersetzung in diesem Jahr auf dieser Welt eine neue Aktualität erhalten. Mit Kranzniederlegungen auf dem Soldatenfriedhof Neuburxdorf und im Speziallager Nr. 1 des sowjetischen Geheimdienstes NKDW in Mühlberg, führte am 10. September 2016 die Initiativgruppe „Lager Mühlberg“ ihr diesjähriges Mahn- und Gedenktreffen durch. Der 1. Vorsitzende, Pfarrer Matthias Taatz, konnte auch in diesem Jahr Überlebende und Hinterbliebene sowie Vertreter von Bundes- und Landespolitik und aus den Kommunalverwaltungen begrüßen. Alle kirchlichen wie politischen Reden gingen auf die aktuelle weltpolitische Lage ein, zogen Vergleiche und erinnerten mit mahnenden Worten aber noch einmal an die schrecklichen Ereignisse, die dieses von den Nazis errichtete Kriegsgefangenenlager von 1939 bis 1945 und ab September 1945, nach Übernahme durch den russischen Geheimdienst bis zu seiner Auflösung im September 1948, prägte. Viele Menschen haben unglaubliche Erfahrungen der Willkür und Brutalität, des Hungers und des allgegenwärtigen Todes selbst von gestandenen Männern gemacht. „Und so ist es nicht leicht, jedes Jahr hierher zu kommen und zu gedenken. Denn ein Leben in Krieg und Terror, wie es unsere Eltern oder Großeltern erlebt haben, ist kein Leben. Das ist Not“, sagte Mühlbergs Pfarrerin Kerstin Höppner-Miech in Neuburxdorf. Friedenslichter wurden sowohl in Neuburxdorf als auch in Mühlberg von Schülern der Grundschule Mühlberg über den Soldatenfriedhof wie auch zu den Namenstafeln am Hochkreuz getragen. Jedes der 20 Lichter stand für einen Wunsch nach Frieden, nach Zukunft, gegen das Vergessen oder Unversehrtheit jedes Einzelnen. „Man treffe sich auch 2016 wieder, um den unterschiedlichen, aber nicht zu trennenden Opfern beider Lager zu gedenken“, mahnte Pfarrer Matthias Taatz an. „Tragender Gedanke der Initiativgruppe war immer die Versöhnung. Wir finden nach einer nicht einfachen Anfangsphase nach 25 Jahren des Bestehens der Initiativgruppe eine Gedenkstätte vor, die der Opfer gerecht wird.“ Er dankte den rund 200 Gästen, darunter Überlebende, Kinder und Kindeskindern für ihre jahrelange Treue, im September die Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen.

Für manche war es das erste Mal, vielleicht weil sie nicht wussten, dass ein naher Angehöriger hier begraben liegt, vielleicht auch, weil sie innerlich noch nicht bereit waren, sich der schmerzhaften Familiengeschichte zu stellen. Bundestagsabgeordneter Arnold Vaatz war voll des Lobes für die Initiativgruppe Lager Mühlberg mit ihrem Vorsitzenden Matthias Taatz. Ihre Arbeit machte es möglich, tausenden Toten beider Lager ihre Namen zurückzugeben und die Gedenkstätte um das Hochkreuz zu errichten und zu einem Ort des Erinnerns gemacht zu haben. „Heute wird jedes noch so kleines Verbrechen strafrechtlich verfolgt. Was aber hier geschah, ist ungeahndetes und staatlicherseits todgeschwiegenes tausendfaches Verbrechen.“ Für die sächsische Staatsministerin Barbara Klepsch ist die heutige Gedenkstätte Lager Mühlberg ein Ort gegen das Vergessen, aber auch der Bildung. Leid und Unrecht kann niemand wieder gutmachen, doch man sei es den Opfern schuldig, dass sie nicht vergessen werden. Für Pfarrerin Kerstin Höppner-Miech haben die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen eine Doppelmoral. „Einerseits sei Deutschland führend bei den Rüstungsexporten. Gleichzeitig werden tausende Flüchtlinge aufgenommen, die durch unsere Waffen nicht mehr in ihrem Land leben können. Wir stehen auch 2016 wieder zusammen, wieder führen Millionen Menschen Krieg gegeneinander und wir müssen uns über Dinge wie Hass, Vertreibung und Krieg unterhalten obwohl wir meinten, sie gehören der Vergangenheit an. Gewalt ist immer eine Grenzüberschreitung und hat in diesem Jahr eine neue Blüte erreicht“.

Foto : Erinnern und Gedenken. Ehemalige Lagerinsassen haben sich am Hochkreuz im Lager Mühlberg zum 26. Mahn- und Gedenktreffen noch einmal für ein gemeinsames Foto aufgestellt.

pm/red

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