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Finsterwalde Dienstag, 04 Oktober 2016 19:31 |  von Redaktion

„Co-wö-was?“

Paula an ihrem "Co-Working-Space" in Finsterwalde Paula an ihrem "Co-Working-Space" in Finsterwalde

Verstehen Sie mich nicht falsch- meine Oma ist eine gut informierte Frau. Sie schaut die Lindenstraße, selbstverständlich jeden Sonntag, und weiß daher Bescheid, was sie auch in eine Art pädagogischen Auftrag umwandelt. „Kind, nimm bitte keine Drogen, auch wenn es mit der Uni mal nicht so läuft!“ Danke, Oma. Danke, Lindenstraße. Meine Oma weiß auch, wie man eine SMS schreibt, was ein Smoothie ist und dass man bei Facebook nicht alles rausposaunen darf.

Sie sehen: meine Oma ist voll auf der Höhe, uptodate. Aber was „Coworking“ oder gar ein „Coworking-Space“ ist, das wusste meine Oma nicht. Man stelle sich folgenden Dialog vor:

„Juhu, Oma! Schau mal, ich hab was gewonnen!“
„Oh, eine Reise? Oder Geld?“
„Nein, einen Platz. Einen Coworking-Platz.“
„Einen Co-wö-was?“
„Das ist sowas wie ein Arbeitsplatz.“
„Du hast doch schon einen?“

„Jaaaa, aber erst ab Oktober und der hier ist quasi sofort verfügbar und außerdem ist es kein Job, sondern nur ein Platz, an dem ich arbeiten darf, mein eigener Schreibtisch neben den anderen. Da werd ich meine Abschlussarbeit fertig schreiben. Ist doch super, oder?“ „Du hast einen Platz gewonnen, an dem du arbeiten darfst? Das ist der Preis?“ „Jaaa! Ich DARF dort meine Abschlussarbeit zu Ende schreiben. Ungestört. Wenn ich das zu Hause mache, mache ich eigentlich nur alles andere: Fenster putzen, „Ach, ich könnte ja mal eine Suppe kochen oder diese Unterlagen hier sortieren, usw.“ Da komme ich zu nichts!“ „Na wenn du meinst. Aber da musst du doch jeden Tag hinfahren und deine Ruhe hast du doch zu Hause, da stört dich doch keiner?“ „Ich will ja gar nicht meine Ruhe. Ich möchte motiviert werden. Wenn ich sehe, dass die anderen auch alle was tun, dann motiviert mich das. Und putzen kann ich da auch nicht, zumindest wäre es komisch. An diesem Ort weiß ich: Hier ist Arbeit und zu Hause bleibt zu Hause.“ „Na ab und zu musst du da schon mal putzen, das können ja nicht die anderen alles allein machen.“ „Ja, Oma.“

Zwei volle Wochen habe ich ihn jetzt schon genossen- meinen „Co-wö-was-Platz“ und kann nur sagen: „Erwartungen übertroffen!“. Meine Abschlussarbeit ist fast fertig und ich bin mir sicher, dass es nicht zuletzt an meinem Arbeitsplatz liegt. Die Atmosphäre im Pop-up-Store (übrigens das neue Wort auf der Google-Liste meiner Oma) der Initiative „Comeback Elbe-Elster“ ist super. Das Miteinander ist toll und auch dass täglich Menschen in den Laden kommen und fragen „Was ist das hier eigentlich?“- das finde ich toll. Man muss nämlich beim Schreiben, Recherchieren und Verzweifeln auch mal Pause machen. Nach diesen fünf Minuten finde ich dann einen neuen Gedanken, vielleicht einen besseren Ansatz für ein Problem.

Wir gehen zusammen Mittag essen und auf einmal bekomme ich viele neue Menschen vorgestellt, erfahre einen neuen Blick auf die Stadt, in die ich zurück gekommen bin. Ehrlich gesagt war ich aber nie wirklich weg. Ich war eine von denen, die nach dem Abi so weit wie möglich weg wollten und ein paar Monate später dann doch jedes zweite Wochenende in der Heimat verbracht haben. Zum Ende meines Studiums in Dresden war klar: ich will ganz wieder zurück, einen Job finden und mir hier etwas aufbauen. Neben großer Euphorie hatte ich auch ein bisschen Angst und dass die jetzt verflogen ist, ist fast ein größerer Erfolg als die fertige Abschlussarbeit. Es ist nämlich was los in Finsterwalde, es tut sich was und es gibt viele Menschen, mit denen es sich lohnt gemeinsam zu arbeiten, die Kaffeepausen durchzudiskutieren und Mittagessen zu gehen. Wäre ich nach meinem Studium in der Situation Freiberuflerin oder selbstständig zu sein, ich würde meinen Tisch behalten. Auch wenn das bedeutet, dass unsere Fenster länger schmutzig bleiben und ich es zu Hause nicht mit dem Kochen übertreibe. Das ist ja das Gute daran, dass wir wieder hier sind. Oma hat immer ein Glas Wurst im Keller und die kleinsten Bäcker backen das beste Brot.

Verfasst auf www.comeback-ee.de/co-woe-was am 20.09.2016 von Paula. Der Platz ist mittlerweile wieder frei und die Organisatoren freuen sich, wenn bald jemand Neues als Coworker kommt. Weitere Infos über Comeback Elbe-Elster

Außerdem soll demnächst ein Existenzgründerseminar im Laden stattfinden. Hierfür können sich insbesondere unter 30-jährige (aber nicht zwingend) gern melden. Der Kurs ist kostenlos. Termine werden noch bekannt gegeben. Interessenten können sich gern über Facebook oder per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) melden.

 

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