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Elsterwerda Montag, 14 November 2016 13:28 |  von Redaktion

Elbe-Elster: Volkstrauertag gedachte der Opfer von Krieg- und Gewaltherrschaft

Elbe-Elster: Volkstrauertag gedachte der Opfer von Krieg- und Gewaltherrschaft

Am 13. November 2016 war in Deutschland Volkstrauertag. Er ist in jedem Jahr Höhepunkt des alljährlichen Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und zählt daher zu den "stillen Feiertagen". Die vom Kreisverband Elbe-Elster des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ausgerichtete zentrale Gedenkveranstaltung fand am Kriegerdenkmal im Stadtpark in Elsterwerda statt. Gekommen war neben Einwohnern, Vertretern der Kommunal- und Landespolitik auch Tadeusz Kreps, Vorsitzender der Gesamtpolnischen Vereinigung der „Mission Versöhnung“. Bereits vor der offiziellen zentralen Gedenkveranstaltung gab es Kranzniederlegungen auf dem Alten Stadtfriedhof in Elsterwerda – Biehla am Gedenkstein für die polnischen Kriegsopfer mit den eingemeißelten Worten polnischer Bischöfe “Wir vergeben und bitten um Vergebung“ sowie am sowjetrussischen Denkmal auf dem Stadtfriedhof Elsterwerda – Weinberge. In seiner Gedenkrede sagte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, gleichzeitig Vorsitzender des Elbe-Elster Kreisverbandes des Volksbund: „In Erinnerung an die Kriege des 20. Jahrhunderts bietet der Tag Gelegenheit dazu, sich mit dem Verlust von unvorstellbar vielen Menschen auseinanderzusetzen. Die Gedanken sind an diesem Tag bei den gefallenen Soldaten, den Kriegsgefangenen, den Opfern der Gewaltherrschaft, der Bombenangriffe, der Flucht und Vertreibung. Für die unter uns, die selbst noch Angehörige im Krieg verloren haben, ist dieser Tag besonders wichtig und besonders traurig. Sie denken an einen oder mehrere Menschen, die ihnen fehlen. Sie trauern, weil Krieg und Diktatur ihnen einen nahestehenden Menschen und damit einen Teil ihres Lebens nahmen.“ Doch Trauer sei etwas Persönliches, fügt der Landrat hinzu. „Wir sind traurig, wenn wir uns nahestehende Menschen verlieren. Wir Jüngeren aber haben die Menschen, die durch Krieg und Gewaltherrschaft gestorben sind, nicht mehr gekannt. Um wen sollen wir heute trauern? Und warum? Und was bedeutet denn „Volks“trauertag? Ist die Trauer an diesem Tag etwa darauf beschränkt, um die Angehörigen eines Volkes, also in Deutschland um die Deutschen, zu trauern? Nein, das kann nicht mehr der Sinn sein, wenn wir von Volk sprechen. Gemeint ist vielmehr, dass wir trauern –die einzelnen Menschen, nicht der Staat.

Es ist kein Tag der Staatstrauer, sondern ein Tag der gemeinsamen Trauer der Menschen. Und für diese Trauer bedarf es keiner direkten Verwandtschaft mit denen, die gestorben sind“. Über siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stehen die Menschen weiterhin fassungslos vor den Zahlen der Ermordeten und der Toten: 55 Millionen Menschen starben allein im Zweiten Weltkrieg. Und doch erreichen diese Zahlen, so erschreckend sie sind, meist nicht die Herzen. Erst wenn wir uns bewusst machen, dass hinter diesen Zahlen einzelne Menschen stehen, beginnen wir den Verlust zu fühlen. Wie kostbar ist dieser Mensch, welch große Lücke hinterlässt er oder sie. Wie viel Liebe, wie viel kreatives Potenzial, wieviel Lebensfreude ging mit jeder und jedem von ihnen verloren. So viel Leben in jedem von ihnen – und dann der Krieg, die Ermordung im Holocaust, die Folter, der Tod. Das ist wahrlich Grund zum Trauern.

Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Volkstrauertages war auch die Ehrung von engagierten Bürgern, die sich unter der Überschrift Versöhnung und Partnerschaft für die deutsch-polnische Versöhnung im Landkreis Elbe-Elster, ganz speziell aber auch in Elsterwerda einsetzen. Tadeusz Kreps und sein Mitstreiter Dr. Gustav Bekker haben in vielen Jahren das Thema Versöhnung immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Bereits seit Anfang der 90ger Jahre gibt es gemeinsame Treffen. Entstanden sind daraus Kreis- und Stadtpartnerschaften, enge Verbindungen zwischen Schulen, Krankenhäusern, im Sport bis hin zu landwirtschaftlichen Betrieben. Alles mit einem Ziel, sich kennen und verstehen zu lernen und den vor über 70 Jahren entstandenen Hass auszulöschen. Im Bewusstsein und voller Dankbarkeit, dass die Bewältigung der schwierigen Vergangenheit zwischen Deutschland und Polen Beharrlichkeit und engagierte Menschen braucht, konnte Tadeusz Kreps, als Präses der „Mission Versöhnung“, sechs Bürger für ihre jahrelangen Bemühungen im deutsch – polnischen Versöhnungsprozess und die erfolgreiche partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem „Verdienstkreuz“ bzw. dem „ Ehrenkreuz am Bande“ der Gesamtpolnischen Vereinigung „Mission Versöhnung“ verleihen. Dazu zählen vom Elsterschlossgymnasium Schulleiter Dietmar Koßagk sowie die Lehrerrinnen Gritt Hecht und Carola Neustadt, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, Bürgermeister Dieter Herrchen und das Ehrenmitglied der Mission Versöhnung - Dr. Gustav Bekker.

Foto: Nach der Gedenkveranstaltung in Elsterwerda verlasen sie das offizielle Totengedenken des Bundespräsidenten: Bürgermeister Dieter Herrchen, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Patrick Weser, Kreistagsvorsitzender Thomas Lehmann, Dr. Gustav Bekker, die Landtagsabgeordnete Anja Heinrich und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski.

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