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Bad Liebenwerda Montag, 26 Juni 2017 19:42 |  von Redaktion

Wird Übergewicht eigenständiger Therapie-Grund?

MEDIAN Fontana-Klinik Bad Liebenwerda beteiligt sich an Pilotstudie der Deutschen Rentenversicherung Bund. Forschungsprojekt „TARa“ des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg will klären, wie krankhaftes Übergewicht künftig therapiert werden kann.

Ab welchem Bodymass-Index man von Adipositas, oder Fettleibigkeit, spricht, ist genau definiert. Welche gesundheitlichen Risiken Übergewicht mit sich bringt, ist auch bekannt. Aber ab wann ist Adipositas eine eigenständige Krankheit und sollte als Hauptindikation im primären Behandlungsfokus der medizinischen Rehabilitation stehen? Angesichts immer mehr übergewichtiger Menschen in Deutschland war das für Dr. Wolfgang Lehmann-Leo, Chefarzt Rheumatologie an der MEDIAN Fontana-Klinik Bad Liebenwerda eine wichtige Frage. „Wir haben immer mehr Patienten, die mit rheumatischen Beschwerden und gleichzeitig starkem Übergewicht zu uns in die Klinik kommen“, so der Arzt. „Ich wollte wissen, ob und wie wir das bei der Behandlung berücksichtigen müssen.“

Pilotprojekt TARa betritt Neuland

Das interessierte auch die Deutsche Rentenversicherung Bund und die Wissenschaftler des Institutes für Rehabilitationsmedizin der MLU Halle-Wittenberg, dessen Leiter Prof. Dr. Wilfried Mau direkt von Dr. Lehmann-Leo, unterstützt durch seinen Arbeitgeber MEDIAN, angesprochen wurde. Herausgekommen ist dabei nach vielen Gesprächen ein Pilotprojekt unter dem Namen TARa – „Therapie der Adipositas in der medizinischen Rehabilitation“, das im Januar dieses Jahres gestartet ist. Projektleiterin Dr. Juliane Lamprecht hat das Projekt konzipiert und kümmert sich am Institut zusammen mit Dipl.-Psych. Jenny Spahlholz um die Organisation und wissenschaftliche Auswertung der Forschungsfragen. „Das Projekt adressiert wesentliche Fragen zum bisherigen Kenntnisstand und zur zukünftigen Therapie der Adipositas, die aufgrund der hohen Begleit- und Folgemorbidität zunehmend zu einem Problem im Gesundheitssystem und im Besonderen im Kontext der Rehabilitation wird“, so die Diplom-Psychologin. Damit die Adipositas erfolgreich (also langfristig) therapiert werden kann, ist es wichtig, die verschiedenen Formen und Ursachen detailliert zu charakterisieren und dem bisherigen Kenntnisstand aus Forschung und Therapie gegenüberzustellen. „Bisher wird die Adipositas als Begleiterkrankung in der Orthopädie, der Kardiologie und der Psychosomatik `mittherapiert´, da sie keine eigenständige Reha-Indikation ist, für die spezielle Therapien vorgehalten werden. Die üblichen Ernährungsberatungen und Bewegungsangebote während der Rehabilitation haben daher, wenn überhaupt, nur sehr geringe Effekte und sind in der Regel nicht nachhaltig. Die meisten Patienten mit Adipositas brauchen andere Therapien, welche den Ursprung der Erkrankung berücksichtigen. Oft sind es auch tiefgreifende seelische Probleme, die dahinterstecken. Wenn es uns gelingt verschiedene Ursachentypen der Adipositas zu identifizieren, können wir auch entsprechende Therapien konzipieren“, sagt Dr. Lamprecht.

1000 Patienten werden bundesweit befragt

In einem ersten Schritt soll jetzt gezeigt werden, dass es ganz unterschiedliche Ursachen und damit auch unterschiedliche Arten von Adipositas gibt, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Essen Patienten zum Beispiel mehr weil sie seelische Probleme haben oder traumatisiert sind, dann brauchen sie in einem ersten Schritt zunächst eine Psychotherapie statt eines Bewegungstrainings mit Diät. Ab Juni werden jetzt in bundesweit sieben Reha-Kliniken, darunter auch die MEDIAN Fontana-Klinik Bad Liebenwerda, insgesamt 1.000 übergewichtige und normalgewichtige Patienten nicht nur zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, sondern auch zu kritischen Lebensereignissen, zum sozialen Umfeld und vielem mehr. Die Daten könnten am Ende der Studie – in einem Jahr – dann dazu dienen, erste Therapie-Module zu entwickeln, die an ausgewählten Reha-Kliniken getestet werden. „Unsere Untersuchungen sind breit angelegt. Wir haben Experten-Interviews geführt und eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Therapien gegen Adipositas gemacht“, so Dr. Lamprecht weiter. „Wir haben umfangreiche Literatur-Recherchen durchgeführt, um alle aktuellen Behandlungswege zu dokumentieren.“ Schon im Oktober sollen Workshops mit der Deutschen Rentenversicherung Bund stattfinden, um erste Ergebnisse zu besprechen. In einem zweiten Schritt will man dann am Institut für Rehabilitationsmedizin bereits vorhandene Datenbestände in die Auswertung einbeziehen, um noch weitergehende Erkenntnisse zum Thema Adipositas gewinnen zu können. Insgesamt werden die Untersuchungen bis Ende 2019 dauern.

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