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Cottbus Sonntag, 10 Januar 2016 17:00 |  von Redaktion

Änderung im Ausstellungsprogramm 2016

Änderung im Ausstellungsprogramm 2016 Foto: Sandra Mattner

In der Zeit vom 18.04. bis 19.06.2016 zeigt das dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus die Ausstellung „CLARA MOSCH 1977 - 1982. Kunst in der DDR zwischen Repression und Selbstbestimmung“.

Die zunächst für diesen Zeitraum geplante Ausstellung „Schlaglichter“ mit Malerei aus den Sammlungen des dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus und des Museums Junge Kunst Frankfurt/Oder sowie aus dem Bestand des Kunstarchivs Beeskow wird vom letzten Januarwochenende 2017 bis April 2017 an beiden Museumsstandorten zu sehen sein. Inhaltliche Informationen zur Ausstellung folgen, sobald die konzeptionellen Arbeiten abgeschlossen sind.

Im Rahmen der Kuratierung der zuvor für April 2016 vorgesehenen Ausstellung „Schlaglichter“ zeigte sich die Notwendigkeit einer stärkeren inhaltlichen Differenzierung des Ausstellungsvorhabens. Diese und die dafür erforderliche kritische Reflexion der jeweiligen Sammlungsbestände macht eine zeitliche Verschiebung des Projekts zugunsten der Qualität des Ausstellungskonzepts erforderlich.

Zugleich bietet die Verschiebung die auch kunsthistorisch bedeutsame Chance, die Ausstellung als Auftakt der Zusammenarbeit beider Museen und ihrer dann auch strukturell zusammengefassten Sammlung zu präsentieren.

Mit der Ausstellung CLARA MOSCH werden nunmehr erstmalig Werke der in der DDR bis 1982 bestehenden Künstlergruppe CLARA MOSCH im dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus präsentiert.

Die Künstler der CLARA MOSCH zeigten im damaligen Karl-Marx-Stadt von 1977 bis 1982 in 29 Ausstellungen ihre eigenen Arbeiten wie die weiterer nonkonformer Künstler der DDR, bis sich die Gruppe 1982 auflöste. Der Name CLARA MOSCH ist ein Anagramm aus den Nachnamen der beteiligten Künstler Carlfriedrich Claus, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke, Michael Morgner und Gregor-Torsten Schade.

Die Ausstellung ist eine Übernahme aus den Städtischen Kunstsammlungen Albstadt.

 

 

 

CLARA MOSCH 1977 - 1982.

Kunst in der DDR zwischen Repression und Selbstbestimmung

Als Antwort auf den Mangel an freien Ausstellungsmöglichkeiten für Künstler in der DDR eröffnet am 30. Mai 1977 in Karl-Marx-Stadt, genauer im südöstlichen Stadtteil Adelsberg, die Produzentengalerie CLARA MOSCH. Der Name der unbekannten Dame ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der Künstler Carlfriedrich Claus (1930-1998), Thomas Ranft (*1945), Dagmar Ranft-Schinke (*1944), Michael Morgner (*1942) und Gregor-Torsten Schade (*1948). Bis auf Carlfriedrich Claus lernen sich die Künstler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig kennen. In Karl-Marx-Stadt, auf dem noch „unbestellten Feld der Kunst“ ohne Kunst- oder Musikhochschule, sahen die Moschisten die Möglichkeit, mit neuen Formaten und Mitteln der Kunst zu experimentieren.

In insgesamt 29 Ausstellungen zeigen die Künstler der CLARA MOSCH im Zeitraum von der Gründung 1977 bis zur Auflösung der Gruppe 1982 neben eigenen Arbeiten Werke weiterer nonkonformer Künstler in der DDR, u.a. von den Dresdnern Max Uhlig, Wolfgang Petrovsky und Albert Wigand, dem Altenburger Zeichner und Grafiker Gerhard Altenbourg, dem Berliner Vertreter der Konkreten Kunst Horst Bartnig, dem Karl-Marx-Städter Autodidakten Klaus Hähner-Springmühl oder der Leipziger Fotografin Karin Plessing.

„Wir hatten überhaupt kein Programm, sondern Mosch war ein Boot für alle, die nicht untergehen wollten. Es war weniger eine einigende Grundhaltung des künstlerischen Programms, sondern mehr die gleiche Grundhaltung bei der Ablehnung des Realismus bis hin zu Sitte, Müller, Bergander, Heisig, Mattheuer.“ (Michael Morgner)

Während der berüchtigten „Pleinairs“ loten sie bei Gemeinschaftsaktionen unter freiem Himmel an zurückgezogenen Orten des Landes die Grenzen des Machbaren in der Kunst aus. Nicht nur die Ergebnisse der Pleinairs, sondern auch die Ausstellungseröffnungen und die Künstlerfeste der CLARA MOSCH wurden von dem später als Stasi-Spitzel enttarnten Fotografen Ralf Rainer Wasse (*1942) nahezu lückenlos dokumentiert. In wechselseitigen Reaktionen der Künstler aufeinander entstanden in den fünf Jahren des Bestehens der CLARA MOSCH eine Reihe künstlerischer Serien und Tableaus, Ausstellungsplakate, Editionen und Mappenwerke, von denen in der Ausstellung ein beeindruckendes Panorama zu sehen sein wird. Die Ausstellung zeigt neben Dokumenten der Ausstellungsarbeit und besonderen Gemeinschaftswerken vor allem Druckgrafiken, insbesondere Radierungen, Zeichnungen, Hörstücke, Mail-Art-Objekte, Filme und Fotografien der Künstler. Dagmar Ranft-Schinke zu den gemeinsamen Absichten: „Wir wollten immer alles mit der Hand machen, persönlich eben, Originalgrafik, Ehrlichkeit.“

Auch wenn seit 1971 eine neue kulturelle „Weite und Vielfalt“ politisch proklamiert worden war, so war damit eben gerade nicht die freie Etablierung einer Künstlergruppe oder gar einer unabhängigen Galerie gemeint: Die Künstler werden mithin von Beginn an und sodann zunehmend von den Maßnahmen der Staatssicherheit unter Druck gesetzt, die Galerie wird sukzessive vom staatlich kontrollierten Kulturbund unterwandert. Am 27. November 1982 ist CLARA MOSCH auch deswegen am Ende und schließt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28.02.2016 in den Städtischen Kunstsammlungen Albstadt zu sehen. Cottbus ist die erste und einzige ostdeutsche Station der Ausstellung.

 

 

 

Foto:    Sandra Mattner
Quelle: dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus

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