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Cottbus Donnerstag, 21 September 2017 19:28 |  von (Leserreporter)

Traditionslokal „Lindenklause“ schließt nach 54 Jahren seine Türen

Traditionslokal „Lindenklause“ schließt nach 54 Jahren seine Türen

Abends nochmal schnell auf ein Feierabendbierchen das Haus verlassen? Da müssen Sie demnächst aber längere Wege in Kauf nehmen, wenn Sie in Theaternähe wohnen. So langsam sterben die urigen Kiezkneipen in der Umgebung aus. Gab es damals noch das „Schillerschlösschen“, „Zur Eisenbahn“, „Jonathan“ oder das „Doppeldeck“, so stehen nunmehr die Chancen für ein Thekengespräch schlecht. Im Dezember wird nun auch die „Lindenklause“ in der Karl-Liebknecht-Straße 106 seine Türen schließen.

In den letzten 54 Jahren trafen sich dort so einige Männerfreundschaften, die Skat- oder Dartspieler und auch Fotofreunde beim Stammtisch. Zum Mittagstisch kamen viele Mitarbeiter umliegender Büros und Firmen vorbei, welche die gute deutsche Küche zu schätzen wussten. Legendär waren die hausgemachten Bouletten, Rouladen oder knusprige Schnitzel mit Bratkartoffeln.

Gudrun Eckert, die Inhaberin der „Lindenklause“, verabschiedet sich nun von ihren Gästen. Seit 1990 kümmerte sie sich um Wohl und Wehe ihrer Stammkunden in der Gaststätte auf der Ecke zur Lausitzer Straße zur vollsten Zufriedenheit – so, wie es in den Jahren zuvor schon ihre Eltern getan hatten. Bis 2013 stand ihre Mutti noch an dem kleinen Herd und bereitete die Hausmannskost, seitdem kämpfte sie allein in der Küche oder holte sich stundenweise Hilfe.

Auf die Anlieferung der Zutaten hat Frau Eckert seither verzichtet. Schon früh am Morgen belud sie ihr kleines Auto auf dem Großmarkt, eilte in ihr Restaurant zurück, damit das Mittagessen pünktlich um 12 Uhr für ihre Gäste auf dem Tisch steht.

Mit dem Aus des Traditionslokals geht nun auch ein Stück Cottbuser Geschichte zu Ende. Viele schöne Erinnerungen werden in der Gastronomin geweckt, wenn sie an die vielen Feste zurückdenkt, die in ihren Räumen stattfanden. Unzählige Hochzeiten, Kindergeburtstage, runde Jubiläen und auch Trauerfeiern wurden in der Lindenklause begangen.

Nachdem im Januar 2008 auch das Rauchverbot in Brandenburg galt, kamen nur noch wenige der abendlichen Stammgäste. Der große runde hölzerne Stammtisch, welcher noch immer vor der Theke thront, könnte Geschichten erzählen – aus Zeiten, in denen die Luft zum Atmen im Lokal knapp war.

Durch den Eigentümerwechsel der Immobilie und die damit verbundene Rekonstruktion erfuhr die Lindenklause 2012 eine Aufwertung. Der Tresenbereich, das Mobilar sowie der Fußboden wurden komplett erneuert, Wände bekamen aufhellende Farben und Bilderrahmen mit Fotos, welche die Wirtin in ihrer wenigen Freizeit selbst aufgenommen hat, bekamen ihren Platz. Auch die sanitären Einrichtungen fand man nun nicht mehr im dunklen Hausflur.

Ob es nun auf der Karl-Liebknecht-Straße zu einer scheinbaren Durststrecke kommen wird, bleibt abzuwarten. Bis jetzt haben sich einige Interessenten die Räumlichkeiten angesehen, aber ein Nachfolger hat sich noch nicht gefunden.

Auf das Ende des Arbeitslebens und den Beginn des Ruhestandes blickt Frau Eckert mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Plötzlich wird es genügend freie Zeit geben. Den Gänsebraten will sie in diesem Jahr zum Weihnachtsfest erstmals ausschließlich für ihre Familie zubereiten. Wie sie verriet, werden Termine beim Frisör oder im Kosmetikstudio nun häufiger und sie kann diese endlich intensiv genießen.

Wir wünschen Frau Eckert die Erfüllung ihrer langgehegten Wünsche und Träume sowie einen gesunden und geruhsamen wohlverdienten Ruhestand. Dankeschön für ihre freundliche und emsige Art. Möge keine Langeweile, sondern eine frische Brise durch ihre Rentenzeit wehen!

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