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Cottbus Mittwoch, 08 Februar 2017 17:00 |  von Redaktion

Öffentliche Ringvorlesung: "Vom Tatort zum Rechtsort"

Öffentliche Ringvorlesung: "Vom Tatort zum Rechtsort"

Unter der Überschrift "Vom Tatort zum Rechtsort" gibt Bernhard Brocher, Leitender Oberstaatsanwalt in Cottbus, Einblicke in eine spannende Thematik. Interessierte sind dazu in den großen Hörsaal auf dem Zentralcampus der BTU Cottbus-Senftenberg eingeladen.

Die forensische Tatortarbeit und die naturwissenschaftlich - technische Auswertung von Spuren haben in den vergangenen 100 Jahren sehr große Fortschritte gemacht und in vielen Fällen zur Objektivierung der Beweisführung im Strafverfahren beigetragen. Harte Sachbeweise auf wissenschaftlicher Basis ersetzen so häufig subjektiv geprägte Einschätzungen und von der menschlichen Erinnerung abhängende Aussagen von Zeugen und Beteiligten. Gleichwohl gilt, was am Tatort oder bei der Auswertung im Büro oder Labor an Erkenntnissen gesammelt wird, bedarf in der strafrechtlichen Hauptverhandlung vor Gericht der Umsetzung.

Hier findet dann häufig ein Ringen um die Aussagekraft naturwissenschaftlicher oder technischer Beweise statt. Hierbei gilt, nur was in der Hauptverhandlung vermittelt werden kann, dient der Aufklärung der Straftat. Der Sachverständige muss neben seiner Auswertung also vor allem in einem komplexen Kommunikationsprozess mit Partnern auf unterschiedlichem intellektuellem Niveau, gegensätzlichen Interessen und ganz unterschiedlichem Vorverständnis überzeugen und vermitteln. Hierbei muss die Anklage den vollen Tatnachweis erbringen, die Verteidigung allerdings nur berechtigte Zweifel säen. Zudem muss das Gericht in seinem schriftlichen Urteil fehlerfrei, transparent und vor allem nachvollziehbar die Beweisführung seiner Überzeugung darlegen.

Hierbei entsprechen nur im besten Fall die gesicherten Erkenntnisse der Forensik auch eins zu eins den Grundlagen des Urteils. Das Ringen um die rechtliche Bewertung prägt mindestens so stark wie der wissenschaftliche Erkenntnisprozess ein Strafverfahren. Die objektiven Untersuchungsmethoden am Tatort, die so gewonnenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind deshalb nur ein Teil des Prozesses zur Rechtsfindung. Das Ringen um die rechtliche Bewertung des zu beurteilenden Geschehens, der Rechtsort, ist die andere nicht minder spannende Phase des Erkenntnisprozesses.

Datum: Freitag, 10. Februar 2017, 17.30 bis 19 Uhr

Ort: Großer Hörsaal, Zentralcampus, Konrad-Zuse­­-Straße 4, 03046 Cottbus

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