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Cottbus Samstag, 21 Januar 2017 12:22 |  von Anja Schmidt & Benjamin Andriske

Kabarettfestival der Studiosi in der Cottbuser Spree-Philharmonie eröffnet!

Kabarettfestival der Studiosi in der Cottbuser Spree-Philharmonie eröffnet!

Universität ist mehr als Forschung und Lehre, Familientreffen, Onlineablasshandel mit "Pay Paul". Dies konnten die Gäste gestern bei der Eröffnung der Ei(N)fälle in der Spreephilharmonie (Eine Erfindung von Moderator Thomas Paul Schepansky) – dem Staatstheater Cottbus hören und sehen. 

Monique Möbus-Zweig, die neue Geschäftsführerin des Studentenwerks Frankfurt/Oder nutze die Gelegenheit ihres ersten offiziellen Auftritts, um den anwesenden Kabarettisten und angereisten Gästen aufzufordern auch die Stadt Cottbus an sich kennenzulernen. Dr. Martina Münch, wieder Schirmherrin des Festivals, prägte das Wort des Abends: Kabarettierende (genderneutrale Sprache für KabarettistInnen).  

Auf der Bühne gab sich die Prominenz des studentischen Kabarettes die Ehre. Thomas Paul Schepansky stand als Moderator im ständigen Twitterkontakt zu Donald Trump, Barack Obama und Meryl Streep. Die Papst-WG der Nächstenliebe mit Tillmann Lucke mit direkten Skypedraht zu Gottbus (Gabarett) zeigte den päpstlichen Umgang mit der Internetgeneration. Eine Livecam aus der Hölle, virtuelle Rundfahrt im Papamobil durch den Vatikan und für eine Heiligsprechung gibt es ein Onlinevoting – mit einem Klick zur Heiligsprechung. Selbst die "Village People" ließen sich eine Auftritt beim einzigartigen Kabarettfestival nicht nehmen. 

Hans Well & die Wellbappn begeisterten das Publikum in CottbusAber die am meist erwarteten Kabarettisten diesen Abends waren Hans Well und die Wellbappn. Hans Well, bekannt durch die Biermösel Blosn, trat zusammen mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas auf. Besser gesagt, seine Kinder mit ihm. Mit ihrer Art des Gstanzln haben die Münchner das Publikum sofort auf ihre Seite gezogen - mehr Applaus haben Bayern selten in Cottbus bekommen. Ein tolles Debüt in Brandenburg, das nach Wiederholung schreit.

Ein durch und durch gelungener Start für die nächsten drei Tage Kabarett! Eine Zusammenfassung der Eröffnung gibt es im Video.

Hintergrund:

Nächstenliebe und Tilman Lucke (Berlin)

„Zwei Päpste für ein Halleluja“

Back to the roots, mit diesem Spruch hat sich nicht nur der Islamische Staat in die Herzen ihrer Fans geschossen. Das brandneue Fortsetzungsprogramm von „Zwei Päpste für ein Halleluja“ feiert dort Premiere, wo vor einem Jahr alles begann. Das Päpstekabarett von Ben Cohen und Henning Ruwe mit dem Dauerstargast Tilman Lucke wurde seinerzeit noch während der Welturaufführung in Cottbus Kult. Es folgten eine Stadiontournee und das bisher größte Kabarett-Open-Air auf dem Petersplatz mit schätzungsweise 1,1 Milliarden Zuschauern. Mit spannenden Abenteuern der sympathischen Papst-WG, dem Vatikan im Faktencheck und einer höchst verbesserungswürdigen Hommage an Herbert Grönemeyer revolutionierten sie das Kabarett. Lässt sich das mit dem zweiten Teil noch toppen?

Seien Sie dabei, wenn Benedikt auf Papstship seine letzte Frau fürs Leben sucht, Franziskus aus Versehen Martin Luther heiligspricht und Tebartz-van-Elst mal wieder alle Schuhe von Zalando behalten will. Die unreflektierte Seifenoper bietet einen bunten Blumenstrauß aus plumpem Altherrenhumor, lustiger Kirchenpropaganda und erstaunlich politischem Kabarett. Da wird keine Gemeinheit ausgelassen. Wer hier nicht vom Glauben abfällt, ist selber schuld!

Hans Well & Wellbappn (München)

Sarah (24), Tabea (23) und Jonas (20) blasen mit jugendlichem Elan und meisterlichem Können „einen erfrischend neuen Wind in`s alte Segel“ (Augsburger Allgemeine). Sie lassen ihren Vater gnädigerweise noch mitspielen - als Texter hat er schließlich nichts verlernt. Hans Well textet also, sein Nachwuchs kritisiert, verbessert, vertont seine Werke mehrstimmig und bringt den Vater mit virtuosen Musikstücken zur Verzweiflung - ja bisweilen sogar zum Üben.

Neue Lieder werden schnell umgesetzt. Im bewährten Stil von Hans Well gründen die Themen in der Mitte der Gesellschaft und machen sich in bester Manier über Mitmenschen, verantwortliche politische Köpfe oder sich selbst lustig. So entsteht ein Heimatsound, der zum bayerischen Gefühl auch Unterleib und Kopf nicht vergisst. Zur Hoeneß-Passion gesellt sich ein Fanlied kampfbereiter Mütter der F-Schülermannschaft von Hausen, zum Pfingstlied das notorische Tief aus dem Nordwesten. Die Genialität der Ausländermaut, der Gegenwind bei der Energiewende oder die von Gesellschaft und Presse völlig ignorierte Schutzbedürftigkeit von Verfassungsschutz oder BND werden mit gebührender Hochachtung besungen.

Das Quartett nimmt kein Blatt vor den Mund, greift brisante politische Themen genauso an wie Kirchenangelegenheiten, Schulproblematik und Jugendkultur, wobei ihr Spott und Biss aber niemals unter die Gürtellinie abrutscht. Viel Komik, aber auch viel Nachdenkliches wird geboten und glücklicherweise keine Plattheiten. Die Texte sind durchdacht, von gesundem

Menschenverstand durchleuchtet, für jeden Zuhörer nachvollziehbar, teils bitter-böse, teils liebevoll-spöttisch angehaucht.

Wellbappn, das ist ein neuer, frischer musikalischer Satirewind, ein unglaublich locker, entspanntes Gesangs-Kabarett, in dem sich der routinierte Papa niemals zu wichtig nimmt, ein generationenübergreifender virtuoser Leckerbissen.

Die begeisterten Reaktionen von Presse und Publikum zeigen, dass diese Verbindung aus Jugend und Erfahrung trotz familiärer Bande bestens harmoniert. „Rotzfrech und unbekümmert, urbayerisch und widerborstig“ urteilte die Süddeutsche Zeitung. Mit ihrer Mischung aus Volksmusik und Kabarett haben sich die Wellbappn schon weit über die Grenzen der bayerischen Kleinkunstszene hinaus eine Fangemeinde erspielt. Schließlich kennen Hans Well viele Fans in Bayern, Österreich und Deutschland noch bestens aus der Zeit, als er mit seinen Brüdern für Furore sorgte.

Sarah (geboren 1991) absolvierte nach der Schule und anschließendem halbjährigen Kalkutta-Aufenthalt zunächst den beruflich höchst aussichtsreichen Studiengang „Indologie“. Nach Beendigung dieses Faches und einer sich abzeichnenden Hartz 4 - Karriere entschloss sie sich zum weiterführenden Studium „Interkulturelle Kommunikation“. Sie bearbeitet auf der Bühne Bratsche, Akkordeon, Saxofon, Ukulele und brilliert auf dem Regenmacher. Außerdem hilft sie beim Arrangieren und singt immer schöner!

Tabea (geboren 1993) studiert an der Musikhochschule in München Volksmusik mit Schwerpunkt Geige. Auf der Bühne begleitet sie auf der Steirischen, auf Mandoline, Gitarre, Bariton und Alphorn. Sie arrangiert mit Sarah und Jonas die chaotischen Texte ihres zur Senilität neigenden Vaters.

Jonas (geboren 1996) spielt Kontrabass, Trompete, Tuba, Scherrzither, Ukulele, Bouzouki, Gitarre und Alphorn. Seine musikalische Grundausbildung begann im Alter von 5 Jahren mit Geige, mit 7 Jahren wechselte er zum Cello, mit 10 Jahren zum Kontrabass. Schon mit sieben lernte er Trompete, sein Hauptinstrument. Er machte zu seiner und der Erleichterung aller 2015 erfolgsreich das Abitur und anschließend die Fliege zu einer Weltreise.

Hans (geb. 1953): wuchs schuldlos als 9. von 15 Kindern auf. Mit 24 wurde er schlagartig berüchtigt durch seine Umtextung der Bayernhymne in: Gott mit Dir Du Land der BayWa. Nach 35 erfolgreichen Jahren als Autor der Biermösl Blosn samt Gstanzltexter-Job für die Toten Hosen verdammte ihn schließlich das Schicksal zur nächsten Familienbande mit den „Wellbappn“, an deren Existenz er mitschuldig ist. Er dilettiert auf Gitarre, Steirischer, Alphorn oder Tuba. Sein Nachwuchs wollte die CD aus ihm unerklärlichen Gründen „Betreutes Singen“ betiteln. Vor 40 Jahren gründete er mit Michael und Christoph Well die Biermösl Blosn, 35 Jahre lang begeisterten sie ihr Publikum, zum Teil mit Dieter Hildebrandt, Jörg Hube und Gerhard Polt auf der Bühne. Hans Well schrieb bis zum Ende 2012 nicht nur alle Texte der Biermösl Blosn, sondern zusammen mit Gerhard Polt auch gemeinsame Programme für die Kammerspielen und das Residenztheater. Hier wie dort wurden sie dafür von Publikum und Presse enthusiastisch gefeiert. Der Erfolg an großen Theatern im deutschsprachigen Raum ebenso wie in Bierzelten oder an der Münchner Oper ist sicherlich nicht zuletzt auch den scharfzüngig witzig satirischen Texten von Hans Well zu verdanken.

 

Medien

Eröffnung des 22. Kabaretttreffen der Studiosi in Cottbus Niederlausitz aktuell
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