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Brandenburg Dienstag, 09 Mai 2017 22:48 |  von (4)

Lottoland strebt eigene Lizenz an

Lottoland strebt eigene Lizenz an

Lotto ist für viele Menschen in der Niederlausitz mit Hoffnung auf den großen Geldgewinn verbunden. Während die Spieler zweimal in der Woche auf sechs Richtige tippen und bei der Ziehung mitfiebern, streichen die Lotteriegesellschaften Millionengewinne ein. Durch den rechtlich umstrittenen Glücksspielstaatsvertrag werden zugleich private Lotterieanbieter vom Markt ferngehalten. Für lottoland.com ist das nicht länger hinnehmbar. Das Unternehmen strebt nach Australien, Gibraltar, Großbritannien und Irland nun auch in Deutschland eine Lizenz an. Die Aussichten von Lottoland sind mittelfristig gut, denn die EU sieht die deutschen Regelungen kritisch. Eine Änderung der Gesetze rund um das Glücksspiel ist für die nächsten Jahre zu erwarten. Zugleich kämpfen die staatlichen Lottogesellschaften mit Umsatzschwierigkeiten. Kritiker sehen fehlende Impulse als einen der Hauptgründe an. Während Lotto 6aus49 stabil läuft, fehlt Alternativen wie Keno und Rubbellosen Strahlkraft. Die Umsätze stagnieren daher insgesamt bei knapp acht Milliarden Euro im Jahr. Lottoland will dem mit einer eigenen Lotterie entgegentreten und für neuen Schwung auf dem Lotteriemarkt sorgen.

Kommt die erste private Lotterie in Deutschland?

Das Unternehmen stellte in Bayern, Niedersachsen und dem Saarland einen Antrag auf Erteilung einer Lizenz. Lottoland möchte eine Lotterie ähnlich wie Lotto 6aus49 oder Eurojackpot veranstalten. Dabei wirft der Anbieter seine Erfahrung in die Waagschale. Unternehmenssprecher Dr. Rolf Stypmann erklärt: "Mit über fünf Millionen Kunden wissen wir, wie man Menschen für Lotto begeistert. Nun wollen wir unser Angebot auch auf den stationären Bereich ausweiten und eine originäre Lotterie auf die Beine stellen.“

Private Lotterie würde ersten Schritt einer grundlegenden Änderung bedeuten

Das klingt eigennützig. Aber das Unternehmen möchte auch etwas Grundlegendes erreichen, von dem die Lottospieler in ganz Deutschland profitieren. Denn wenn der Staat private Lottoanbieter zulässt, gibt es keine Grauzone mehr. Es gibt dann die Anbieter mit Lizenz und die ohne eine. Die Spieler können dann sehr viel leichter erkennen, welche Lotterien in Deutschland erlaubt und verboten sind. Mit einer Lizenz für private Lottoanbieter würde ein Stein in Bewegung gesetzt werden, der zu erdrutschartigen Veränderungen führen kann. Der Staat müsste private Anbieter auch als Mittler zulassen. Nach EU-Recht ist das Aufheben des deutschen Sonderwegs eines staatlichen Monopols auf Glücksspiel ohnehin überfällig.

Buchmacher wollen Lottoanbieter werden

Bisher bedienen sich viele Anbieter eines Tricks: Sie treten nicht als Lottoanbieter, sondern als Buchmacher auf. Dabei ahmen sie die Lotterien nach und schütten im Gewinnfall die offiziellen Ausschüttungsquoten aus. Ein abgegebener Tipp fließt also nicht in den Lottotopf, sondern unterliegt der Handhabung der Buchmacher. Anbieter wie Lottoland sichern sich dabei durch Versicherungen ab und können so die Gewinnausschüttung garantieren. Bei anderen Anbietern ist teilweise nicht klar, ob ein möglicher Millionengewinn überhaupt den Gewinner erreicht. Eine staatliche Regulierung bei Öffnung des Marktes kann daher zu einer klaren Abgrenzung von erlaubten und unerlaubten Glücksspiel führen. Durch neue Anbieter und neue Lotterien würde das gesamte Lottosystem neuen Schwung bekommen und Spieler aus der Grauzone von Online-Casinos und Online-Lotterien hin zu offiziellen Spielangeboten wechseln. Stypmann ist jedoch skeptisch. Der aktuelle Entwurf für eine Gesetzesänderung stößt bei ihm auf Kritik. Dieser sei nicht konform zum EU-Recht und konserviere das seit 15 Jahre andauernde "Chaos" bei der Lotterieregulierung. Er sagt: "Es bleibt somit alles beim Alten: Die staatlichen Lotteriegesellschaften tragen ihr Besitzstandsdenken auf den Schultern der Verbraucher aus. Und die haben weiterhin keine Chance, zwischen seriösen und unseriösen Online-Anbietern zu unterscheiden.“

Geld wird reingewaschen

Dabei könnte der Staat eine Umsatzsteigerung im Lotteriegeschäft gut gebrauchen. Denn ob staatliche oder private Anbieter: Alle müssten eine Lotterieabgabe zahlen. Mit diesem Geld werden schon jetzt viele Projekte im Sport, Umweltschutz und Sozialen realisiert, die der Staat ohne Lottogelder nicht realisieren kann. Dieses aus dem Glücksspiel stammende und so "reingewaschene" Geld ist ein wichtiger Faktor bei der Gestaltung von Gesellschaft. Neue Lotterieanbieter mit neuen Marketingkonzepten könnten die Finanztöpfe für diese Aufgabe füllen.

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