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Brandenburg Mittwoch, 25 Januar 2017 00:30 |  von (4)

Bundestag beschließt Teillegalisierung von Cannabis

Bundestag beschließt Teillegalisierung von Cannabis

Die Verwendung von Cannabis im medizinischen Bereich, zur Linderung verschiedener Krankheiten, war bislang nur mit einer selten erteilten Sondererlaubnis möglich und oft mit hohen Kosten für den Patienten verbunden. Mit dem Gesetz, das der Bundestag Mitte Januar 2017 verabschiedet hat, soll sich das Verfahren für eine Cannabis-Therapie für Patienten künftig vereinfachen. Die Abgeordneten entschieden, dass das Gesetz ab März 2017 in Kraft tritt. Eine Zustimmung vom Bundesrat ist nicht notwendig. Die Diskussion, ob Cannabis legalisiert werden soll, beschäftigt die Politik bereits seit einiger Zeit und steht vielerorts auf der politischen Agenda. 2016 hat das Thema "Cannabis-Legalisierung" den Berliner Landeswahlkampf dominiert und es schließlich sogar in den Koalitionsvertrag der neuen rot-rot-grünen Regierung geschafft. Dem Entwurf zufolge soll die vom bisherigen CDU-Innensenator Henkel eingeführte Null-Toleranz-Politik beendet und ein Coffeeshop-Modellprojekt eingeführt werden. Der Antrag für das Projekt beim Bundesgesundheitsministerium steht derzeit noch aus. Bereits beschlossen ist nun die bundesweite Teillegalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke.

Die bisherige rechtliche Situation und wie es in Zukunft sein wird

Gefordert wurde dieser Beschluss seit Längerem, da die Nachfrage nach Cannabis als Medizin stetig wuchs. Im ersten Halbjahr 2015 wurden noch etwa 34 Kilogramm Cannabis legal in Apotheken verkauft, im ersten Halbjahr 2016 waren es bereits 62 Kilogramm. Dabei war es bisher alles andere als einfach und kostengünstig, legal an Cannabis zu gelangen. Im Mai 2011 wurde beschlossen, dass Fertigarzneimittel auf Cannabisbasis in Deutschland hergestellt und auf Betäubungsmittelrezept von Ärzten verschrieben werden dürfen. Für den Erwerb benötigten Patienten bisher eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, mit der im April 2016 deutschlandweit lediglich 647 Menschen Cannabis als Medikament in Apotheken erwerben durften. In der Regel mussten die Patienten die hohen Kosten selbst tragen. Durch das neue Gesetz entfällt die Ausnahmegenehmigung und in vielen Fällen müssen die Krankenkassen die Kosten für Cannabis als Heilmittel übernehmen. In Zukunft können Patienten die getrockneten Cannabisblüten aus kontrolliertem Anbau auf ärztliche Verschreibung hin erhalten. Auch weiterhin können Fertigarzneimittel verschrieben werden. Das Gesetz beschränkt die Regelungen auf "eng begrenzte Ausnahmefälle", darunter fallen vor allem schwerwiegende Erkrankungen ohne Therapiealternativen. Der Eigenanbau durch Patienten bleibt weiterhin verboten. Er soll stattdessen von einer staatlichen Agentur übernommen und kontrolliert werden. Damit die Cannabis-Kosten tatsächlich von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden, müssen sich die Patienten dazu verpflichten, an einer wissenschaftlichen Begleiterhebung teilzunehmen.

Krankheiten, bei denen Cannabis erfolgreich eingesetzt wird

In der Medizin wird Cannabis vor allem zur Linderung chronischer Schmerzen, aber auch bei Spastiken bei Multipler Sklerose, Nervenschmerzen, ADHS, dem Tourette-Syndrom oder bei Grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendrucks eingesetzt. Cannabis kann zudem gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aids-Patienten angewandt werden. Ärzte können sowohl Cannabisextrakte, Cannabisblüten als auch einzelne Cannabinoide verschreiben. Vor allem durch die beiden Inhaltsstoffe Delta-9-Tetrahydrocannabinol, bekannt als THC, und Cannabidiol (CBD) können schmerzlindernde, entzündungshemmende, appetitanregende und krampflösende Wirkungen erzielt werden. Der medizinische Nutzen ist jedoch bislang nicht immer eindeutig belegt – das ist auch der Grund, warum sich Patienten zur wissenschaftlichen Begleiterhebung verpflichten müssen. 

Bildrechte: Flickr harvest time Martijn CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten  

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