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Brandenburg Sonntag, 02 Oktober 2016 22:33 |  von (4)

Datenschutz im Internet: Nutzer zunehmend verunsichert

Datenschutz im Internet: Nutzer zunehmend verunsichert

Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren: Soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Videoplattformen machen die Suche nach Personen so leicht wie nie zuvor. Alte Jugendsünden, vorige Tätigkeiten und Engagements sind ebenso schnell gefunden wie der Wetterbericht für morgen. Das sorgt zunehmend für Verunsicherung: Einerseits kommt man kaum noch um die Nutzung digitaler Kommunikationskanäle herum, auf der anderen Seite wird ein Großteil der Internetnutzer immer vorsichtiger. Denn einmal gepostet, werden persönliche Informationen vom Internet nur selten vergessen.

Studien verdeutlichen schwierigen Umgang mit Datenschutz

Wie sehr sich Internetnutzer zunehmend in einem Zwiespalt befinden, zeigt eine Studie des Digitalverbands Bitkom: Demnach gaben 67 Prozent der befragten Internetnutzer aus Deutschland an, ganz bewusst auf bestimmte Onlinedienste zu verzichten, sofern dafür die Eingabe persönlicher Daten notwendig ist. Gleichzeitig gaben mit 57 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie es gut finden, wenn Dienste durch die Datenauswertung leichter zu bedienen sind. 87 Prozent nutzen Dienste sogar, obwohl sie "kein volles Vertrauen haben, dass diese die gesetzlichen Vorgaben für die Datenverarbeitung in Deutschland einhalten". Laut Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder wünschen sich die Nutzer mehr Orientierung und Transparenz. Ein ähnliches Ergebnis zitierte das Handelsblatt kürzlich aus einer Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVISI): Hier sagten 86 Prozent der Befragten, dass es wichtig sei, den Inhalt der AGBs und Datenschutzbestimmungen von Onlinediensten zu kennen. Paradoxerweise gaben 60 Prozent an, sich damit wenig bis gar nicht auseinanderzusetzen.

Vergessen nur auf Antrag

Damit werden in erster Linie die Online-Unternehmen in die Pflicht genommen: Sie müssen für ein gesteigertes Vertrauen in ihre Webdienste offenlegen, wie und zu welchen Zwecken Nutzerdaten verarbeitet werden. Außerdem wird IT-Sicherheit immer wichtiger: Hackerangriffe haben in der Vergangenheit schon millionenfach sensible Nutzerdaten offengelegt – beispielsweise im Zuge des Angriffs auf das Seitensprungportal Ashley Madison. Nutzer können aber auch in gewissem Maße selbst aktiv werden, um ihre persönlichen Daten zu schützen. Besonders mit privaten Fotos und Informationen sollte man vorsichtiger denn je umgehen. Wie eingangs angerissen, können peinliche oder rufschädigende Geschichten aus der Vergangenheit im Internet auf lange Zeit einsehbar bleiben – auch für potenzielle Arbeitgeber, Kreditgeber oder Vermieter. Nur auf Antrag lassen sich beispielsweise Suchmaschineneinträge zum eigenen Namen löschen – zumindest in europäischen Ländern. Hier gibt es seit 2014 ein "Recht auf Vergessenwerden" – das entsprechende Prozedere wird in diesem Artikel erklärt. Das kann jedoch durchaus langwierig und muss längst nicht immer erfolgreich sein: "Die Welt" berichtete kürzlich, dass zwar bereits hunderttausende Anträge bei Google eingegangen sind, die Ablehnungsquote aber bei 60 Prozent liegt. Mittlerweile gibt es sogar Agenturen, die sich darauf spezialisieren, rufschädigende Informationen aus dem kollektiven Gedächtnis des Internets verschwinden zu lassen. Besser ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, nicht jedes Thema öffentlich in sozialen Netzwerken mitzudiskutieren und – überspitzt gesagt – keine Selfies im Vollrausch zu posten. 

Bildrechte: Flickr HTTPS Browser Yuri Samoilov CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten 

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