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Brandenburg Dienstag, 31 Mai 2016 22:58 |  von (4)

Venöses Leck: Unterschätze Ursache bei Potenzstörungen

Venöses Leck: Unterschätze Ursache bei Potenzstörungen

Fast jeder fünfte Mann auf der Welt zwischen 30 und 80 Jahren leidet unter Erektionsstörungen. Laut wissenschaftlichen Studien liegt die Prävalenzrate allein in Deutschland bei zehn bis zwanzig Prozent. 25 bis 78 Prozent davon sind venös bedingt. Während Durchblutungsstörungen als mögliche Ursache bekannt sind, bleibt ein venöses Leck oft unerkannt.

Venöses Leck beeinträchtigt penilen Blutfluss

In der Medizin ist bekannt, dass Erektionsstörungen häufig im Zusammenhang mit einem zu schnellen Blutabfluss aus dem männlichen Glied stehen. Das innere des Penis besteht aus einem Geflecht von Venen, die sich aufgrund
ihrer Elastizität dem jeweiligen Blutstrom anpassen. Verlieren die Venen an Flexibilität
(Wandspannung) kann das Blut nicht gehalten werden. Dieser Vorgang wird als venöses Leck
oder kavernöse Insuffizienz bezeichnet.

Ein gesunder Blutfluss ist entscheidend um einen gewissen Blutstau im Penis zu erzeugen. Der gesteigerte Blutfluss sorgt für ein Anschwellen der Schwellkörper, welche die Venen partiell verschließen, wodurch der vorübergehende Blutstau entsteht. In Folge kommt es zur Versteifung des Glieds – der Erektion. Dieser Vorgang ist durch das venöse Leck gestört.

Diagnose als erster wichtiger Schritt

Ein solches Leck wird mittels Ultraschalluntersuchung oder über das Injizieren von Kontrastmitteln (Pharmako cavernosometrie und Pharmakokavernosographie) diagnostiziert. Auf diese Weise lässt sich auch generell der kavernöse Blutabstrom relativ präzise ermitteln und beurteilen.

Eine solche Untersuchung ist notwendig um die genaue Störung des Blutflusses zu ermitteln und eine entsprechende Therapie zu bestimmen. Neben einem venösen Leck können noch andere Durchblutungsstörungen eine Rolle spielen, die häufiger als Ursache identifiziert werden, wodurch das Leck selbst oft unerkannt bleibt. Mediziner suchen vor allem nach Hinweisen einer vorliegenden arteriellen Hypertonie, einer koronaren Erkrankung oder Gefäßveränderungen aufgrund von Nikotinkonsum oder einer Fettstoffwechselstörung.

Insbesondere im Alter können solche Störungen durch grundlegende körperliche Veränderungen wie auch den Folgen des Lebensstils auftreten und eine erektile Dysfunktion (Impotenz) nach sich ziehen. Ein venöses Leck zeigt sich jedoch auch immer häufiger unter jungen Männern. Dabei ist von der Diagnose Impotenz erst dann zu sprechen, wenn der über einen Zeitraum von etwa 2 Monaten etwa 70 Prozent der Versuche eine Erektion zu erreichen erfolglos blieben. Hierzu zählen sowohl Situationen, in denen eine Erektion gar nicht erzielt oder nicht lang genug aufrecht erhalten werden konnte.

Medikamentöse und operative Therapieansätze

Ist das venöse Leck nur kleinvolumig, kann durch die Einnahme von Potenzmitteln wie Viagra, Cialis und Levitra – sogenannte PDE-5-Hemmer meist auf eine Operation verzichtet werden. Untersuchungen der J Sex Med (2004) belegen die besondere Wirksamkeit bei diagnostiziertem venösen Leck oder arterieller Durchblutungsstörung. Erreicht wird dies durch die besondere Wirkweise der PDE-5-Hemmer, die gezielt den penilen Blutfluss beeinflussen und einen vorzeitigen Abfluss verhindern.

Um den verstärkten Blutfluss in den Penis auszulösen wird bei sexuellen Reizen das körpereigene Enzym cGMP ausgeschüttet. Dieses wird nach Beendigung des Geschlechtsakts durch das Enzym PDE-5 abgebaut, sodass der Blutabfluss eingeleitet und die Erektion abgebaut wird. Liegt ein nun schon beeinträchtigter Blutfluss vor, wird cGMP zu schnell bzw. zu früh von PDE-5 abgebaut. Dort setzen PDE-5-Hemmer an und verhindern die Ausschüttung dieses Enzyms. Auf diese Weise kann wieder ausreichen Blut in den Penis strömen. Jedoch kann diese Therapie in 90 Prozent der Fälle das venöse Leck nicht heilen, sodass eine Dauer- oder Bedarfstherapie nötig ist.

Ist eine medikamentöse Behandlung ungeeignet wird das Leck über eine Katheterbehandlung mit einem Gewebeklebemittel verschlossen. Dazu wird in einem ambulant durchgeführten Eingriff über die
Leiste ein Katheter eingeführt und die betroffenen Venen verschlossen. Eine stationäre Aufnahme
ist dazu meist nicht notwendig. Allerdings kann es zu Schwellungen im Genitalbereich kommen, die
aber nach kurzer Zeit abklingen. Auch wenn das venöse Leck verschlossen wurde, bedeutet dies nicht, dass auf Dauer die Elastizität der Vene oder anderer Venen erhalten bleibt. Daher empfiehlt sich eine regelmäßige Verlaufskontrolle durch den Urologen.

Therapieerfolg durch frühzeitige Behandlung steigern

In der Regel ist ein venöses Leck gut therapierbar. Wobei bei jungen Menschen die Erfolgsaussichten ungleich höher sind, da bei ihnen der Blutverlauf noch sehr ausgeprägt ist. Mit zunehmendem Alter des Patienten wird es allerdings immer schwerer die Erkrankung zu behandeln.

Leider wird ein venöses Leck als Ursache für eine erektile Dysfunktion häufig nicht erkannt, denn sie bereitet keine Schmerzen und verläuft, abgesehen von den Erektionsschwierigkeiten symptomfrei. Daher ist besonders wichtig, bei eintretenden Potenzbeschwerden eine solche Störung für die Diagnose in Betracht zu ziehen. Wird das Leck nicht rechtzeitig diagnostiziert, kann es zu eine extremen Glättung des Penisinnengewebes kommen.

Quellen: Urologie Lehrbuch, Porst Hamburg, Ärzteblatt, HealthExpress

Foto: Shutterstock

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