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Brandenburg Donnerstag, 14 April 2016 09:00 |  von Redaktion

Bioverbände fordern Schutz vor Pestizid-Fernverwehung

Bioverbände fordern Schutz vor Pestizid-Fernverwehung Wiki CC 2.0 Hinrich

Restriktive Zulassung, Aufnahme Luftmonitoring und Einführung einer Pflanzenschutzmittelsteuer notwendig

Pestizide wirken nicht nur an ihrem Ausbringungsort, sie driften ab und können sogar über weite Strecken transportiert werden. Dort kontaminieren sie landwirtschaftliche Kulturen. Die ökologischen Anbauverbände fordern Agrarminister Jörg Vogelsänger auf, sich in der morgen beginnenden Agrarministerkonferenz (AMK) für ein staatliches Monitoring von  Pestizidwirkstoffen in der Luft einzusetzen. Zudem fordern die Ökoverbände eine Änderung des Zulassungsverfahrens, welches die Anwendung von Wirkstoffen mit hoher Verdunstungsneigung deutlich einschränkt oder verbietet.

„Das Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg hat in einer Untersuchung eine weiträumige thermische Verfrachtung der Herbizid-Wirkstoffe Pendimetalin und Prosulfocarb nachgewiesen“, erklärt Sascha Philipp, Sprecher des Agrarpolitischen Arbeitskreises Ökologischen Landbau Brandenburg. „So wurden für Pendimethalin Rückstände über Ferntransport nachgewiesen, die 100 – 1000 mal höher waren als unbelastete Vergleichsflächen in der Nähe der Nord- und Ostsee. In einzelnen Kulturen, wie Grünkohl, Dill, Petersilie und Körnerfenchel, kommt es durch Ferntransport zu hohen Belastungen, die weit über dem Grenzwert der Diätverordnung für Babynahrung (maximal 0,01 mg/kg für jeden Wirkstoff) liegen. Den zum Teil erheblichen Schaden tragen die betroffenen Bio-Betriebe, da beim Ferntransport von Pflanzenschutzmitteln ein Verursacher nicht zu ermitteln ist.“

Davon sind nicht nur ökologische landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturen, sondern auch konventionelle Kräuter- und Arzneipflanzen betroffen. Fernverfrachtungen sind zudem für den Wirkstoff Clomazone bekannt und werden auch für das meist angewandte Herbizid Glyphosat vermutet. „Die Pestizidbelastungen durch Ferntransport sind nicht tolerierbare Auswirkungen, die zukünftig über eine restriktive Zulassung von Wirkstoffen auszuschließen sind. Von der Fernverwehung betroffene Wirkstoffe dürfen nicht mehr zugelassen werden“, fordert Heike Kruspe, Geschäftsführerin des Bioland Ost e.V. „Zudem fordern wir das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, das angekündigte umfassende Monitoring von Pestizidwirkstoffen in der Luft von staatlicher Seite wieder aufzunehmen.“

Seit 2003 gibt es kein Luftmonitoring mehr, um die Belastung bestimmter Pestizidwirkstoffe zu erheben. Wir fordern außerdem die Einführung einer Pflanzenschutzmittel-Steuer, mit der Betriebe entschädigt werden können, die aufgrund von Kontaminationen durch Pflanzenschutzmittel, bei denen kein Verursacher ermittelt werden konnte, geschädigt wurden.

 

 

Hintergrund Pestizide

Zu viele chemisch-synthetische Pestizide gelangen in die Umwelt. Deren Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Lebensräume sind besorgniserregend. Pestizide betreffen nicht nur jene Personen, die sie anwenden, sondern gehen uns alle an. Chemisch-synthetische Pestizide sind giftige Chemikalien, von denen in Deutschland immer größere Mengen eingesetzt werden. Bioland fordert daher, den Biolandbau als alternative Anbau- und Pflanzenschutzmethode stärker voranzutreiben. Studie zum Ferntransport von Pestiziden des Landesamts für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV).

Studie zum Ferntransport von Pestiziden des Landesamts für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV):
www.bioland.de/fileadmin/dateien/HP_Dokumente/Pressemitteilungen/LUGV_Ferntransport.pdf

 

Die Mitglieder des Agrarpolitischen Arbeitskreises Ökologischer Landbau Brandenburg:

  • AG für biologisch-dynamischen Landbau, Hauptstraße 43A, 15374 Müncheberg OT Eggersdorf, Tel.: 033432 722-14, Fax: 033432 722-13
  • Bioland Ost e.V., Gradestraße 92, 12347 Berlin, Tel.: 030 53023750, Fax: 035476 210
  • Biopark e.V., Rövertannen 13, 18273 Güstrow, Tel.: 03843 2450-30, Fax: 03843 2450-32
  • Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V., Marienstraße 19-20, 10117 Berlin, Tel.: 030 284824-40, Fax: -49
  • Naturland e.V., Landesbüro Berlin/Brandenburg, Buchholzer Weg 3, 15518 Steinhöfel, Tel: 033637 38181
  • Verbund Ökohöfe Nordost e.V., Schwaneberg 60a, 17291 Randowtal, Tel.: 033701 59306, Fax: 033701 55165

 

 


Foto:    Wiki CC 2.0 Hinrich
Quelle: Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.

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