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Brandenburg Freitag, 08 April 2016 16:00 |  von Redaktion

Ärzteschwund und Fachkräftemangel: Wege, Lösungen und Initiativen in Ostbrandenburg

Ärzteschwund und Fachkräftemangel: Wege, Lösungen und Initiativen in Ostbrandenburg Pixabay CC0 gemeinfrei

Einige Regionen altern schneller als die Gesellschaft insgesamt. So fehlen in der Region Ostbrandenburg heute schon viele Fachkräfte und viele Ärzte;Nachwuchs findet man immer seltener. Gut eine Fahrstunde vom Landkreis Oder-Spree entfernt expandiert Berlin, gut ausgebildete junge Menschen strömen in die Hauptstadt. Im Osten Brandenburgs müssen dagegen Firmen, Arztpraxen und Krankenhäuser viel Energie in die Fachkräftesuche investieren.

Gute Versorgung kann auch funktionieren, wenn einzelne (Fach)-Ärzte ausfallen. Allein in Eisenhüttenstadt, dem Standort der Brandenburgischen BKK, haben sich in den letzten sechs Jahren zehn Ärzte aus den niedergelassenen Praxen zurückgezogen.

„Der demographische Wandel ist die wichtigste Herausforderung für uns in der Region“, sagt Kathrin Wormann, Chefin der Brandenburgischen BKK. „Wir warten aber nicht darauf, dass die Politik uns Lösungen präsentiert, wir finden selber welche“. Seitdem der letzte niedergelassene Kardiologe fortgegangen ist, werden Patienten, die in der Brandenburgischen versichert sind, nun im Krankenhaus Eisenhüttenstadt ambulant behandelt. Ein spezieller Vertrag mit der Klinik macht es möglich.

Fast überall in Deutschland sind Schmerzpatienten nicht optimal versorgt.

In Eisenhüttenstadt können sie auf ein breitgefächertes ärztliches Konzil in einer speziellen Schmerzpraxis zurückgreifen – ein Zusatzvertrag der Krankenkasse sorgt dafür.

Die größte Arbeitnehmergruppe in der Region stellt die Altersgruppe der 45 bis 54-Jährigen.

Dies hat Auswirkungen auf den Krankenstand, vor allem bei den Langzeitfällen. Hier brauchen Firmen professionelle Unterstützung: Die Brandenburgische BKK entwickelt individuell zugeschnittene Gesundheitsförderprogramme. In diesem Monat startet eine Kooperation mit dem Krankenhaus Eisenhüttenstadt zur betrieblichen Gesundheitsförderung für Mitarbeitende im Pflegebereich, deren Arbeit sie gesundheitlich stark beansprucht. „Wir arbeiten Hand in Hand mit unseren Vertragspartnern“, sagt Wormann. „In Zeiten unbesetzter Ausbildungsplätze und knapper werdender Fachkräfte werden Arbeitgeber attraktiver, wenn sie sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern. Dafür stellen wir als regionale Krankenkasse gerne unser gesamtes Know-how zur Verfügung.“

Dr. Ulrich Müller, Präsident der IHK Ostbrandenburg schildert die Lage bei kleinen und mittleren Firmen (KMU): „Die Fachkräfte in Ostbrandenburg werden weniger und im Durchschnitt älter.

Daher müssen sich Unternehmer künftig noch stärker um die Gesundheit und Motivation ihrer Mitarbeiter kümmern. Das beginnt bei der Ausbildung – eine junge Mutter schafft ihre Ausbildung eher, wenn sie die in Teilzeit absolvieren kann. Für Mitarbeiter jeder Generation sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise Pflege und Beruf möglich sein.

Dabei sind Mittel zur ‚Förderung unternehmerischen Know-hows‘ in KMU vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nützlich. Damit können auch Beratungen zu Fachkräftegewinnung und -sicherung, zum Beispiel mit dem Fokus auf Ältere und Menschen mit Familienpflichten, organisiert werden. Die Kollegen der IHK beraten zu den Instrumenten und Fördermöglichkeiten.“

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, sieht die mittelfristige Entwicklung der Region durchaus optimistisch: „Die Initiativen der Akteure aus dieser Region für diese Region gehen in die richtige Richtung. Allerdings brauchen die Akteure vor Ort mehr Spielraum vom Gesetzgeber für individuelle Lösungen – das kostet nicht einmal unbedingt zusätzliche Mittel. Gerade drängt eine Generation von hochmotivierten, vernetzt denkenden und handelnden jungen Frauen und Männern auf den Gesundheitsmarkt. Eine gute Lebensqualität mit mehr Zeit für die Familie und Möglichkeiten flexibler Arbeitsgestaltung kann aus meiner Sicht die Oder-Spree-Region optimal bieten. Es muss ja nicht immer die Einzelniederlassung sein; medizinische Zentren und vernetzte medizinische Zusammenarbeit waren im Osten Deutschlands bereits vor dem Mauerfall erprobte Organisationsformen.“

 

 

 

 

Quelle:

BKK Dachverband e. V.

Brandenburgische BKK

IHK Ostbrandenburg

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