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Brandenburg Montag, 04 April 2016 22:40 |  von (4)

ASS Intoleranz – Wenn Aspirin dem Körper schadet

ASS Intoleranz – Wenn Aspirin dem Körper schadet

Die Nase läuft und Kopfschmerzen stellen sich ein - eine Erkältung scheint sich anzubahnen und Aspirin scheint eine Lösung zu sein. Unter Umständen kann dies genau die falsche Strategie sein. Eine ASS-Intoleranz wird oft nicht erkannt, da ihre Symptome denen einer Erkältung ähneln. Wird Aspirin als vermeintlicher Helfer eingesetzt, werden die Beschwerden verstärkt. Auf eine Intoleranz von ASS weisen neben den Erkältungssymptomen auch die drei Bestandteile der Samter Trias hin: Vergrößerte Nasenpolypen, Asthmaanfälle und Hautausschläge als allergische Reaktion.

Die ASS Intoleranz

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt entzündungshemmend, fiebersenkend und schmerzlindernd. Den meisten Patienten ist er bekannt als Hauptbestandteil des Präparates Aspirin. Das Medikament kommt aufgrund seiner schmerzlindernden Wirkung vorrangig bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder auch einer Erkältung zum Einsatz.

Etwa 0.6-2.5% der Patienten leiden jedoch an einer Unverträglichkeit gegenüber Acetylsalicylsäure – einer ASS Intoleranz. Bei der Einnahme von Präparaten wie Aspirin kann es daher zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Eine ebensolche Wirkung lösen auch Schmerzmedikamenten aus, die genau wie ASS die körpereigenen Enzyme Cyclooxygenase I und II (COX I und II)enthalten. Hierzu gehören u.a.:

  • Ibuprofen

  • Naproxen,

  • Tolmetin

  • Oxyphenbutazone

  • Phenylbutazon

  • Salsalate

  • Meloxicam

  • Rofecoxib

Gefahr des Samter Trias

Bei einer ASS Intoleranz können sich Beschwerden an Haut, in den Atemwegen und dem Magen-Darm-Trakt bemerkbar machen. Für gewöhnlich stellen sich als erste Anzeichen erkältungs-ähnliche Symptome ein: laufende Nase, Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung. Langfristig kann es zu Störungen der Atemwege kommen.

Durch die Hemmung der COX Enzyme kommt es im Körper zu einem Überschuss an Arachidonsäure. Diese löst eine vermehrte Produktion von Botenstoffen aus, welche die Bronchien verengen (sogenannte Leukotrienen). Dies kann akut zu einem Asthma Anfall führen. Im Verlauf können die Entzündungen in den Bronchien zu einer chronischen Asthma Erkrankung führen.

Zudem können sich als Folge des Überschusses an Leukotrienen auch Nasenpolypen entwickeln und Hautausschläge, sogenannte Urtikaria, ausbrechen. Nasenpolypen erschweren die Atmung weiter. Führen die allergischen Reaktionen zu Polypen und Asthma wird von einem Samter-Trias gesprochen. Unter Asthmatikern leiden bis zu 30%, unter Polyp-Patienten etwa 50% und unter Samter-Trias-Patienten bis zu 78% unter einer ASS-Intoleranz.

Neben chronischen Beschwerden, sind die akuten Allergie-Ausbrüche gefährlich. Bereits nach 30 Minuten können sich ernsthafte Beschwerden zeigen. Nicht unüblich ist ein Asthma-Anfall, der von Hautrötungen und entzündeten Augen begleitet wird. Dies kann zu Bewusstlosigkeit, Schock und im Ernstfall sogar zum Tod führen.

ASS Intoleranz erkennen

Wodurch eine ASS-Intoleranz entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Wissenschaft vermutet jedoch einen genetisch bedingten Enzymdefekt, der mit Infektionen der Atemwege zusammenwirkt.
Um eine ASS-Intoleranz zu diagnostizieren, ist ein Provokationstest notwendig.

Je nach ausbrechender Symptomatik wird zunächst ein Facharzt aufgesucht, der bei Verdacht auf ASS Intoleranz einen Test veranlasst. Hierbei wird bewusst ASS verabreicht, entweder als orale Einnahme eines Medikaments, als Spray oder Inhalation über die Atemwege. Auch ein Bluttest ist eine Möglichkeit zur Diagnostik. Die Ergebnisse des Untersuchungsverfahrens ergeben dank der allergischen Reaktion einen Hinweis auf eine vorliegende Unverträglichkeit von ASS und anderen COX.

ASS Deaktivierung
und Anwendung im Alltag

Eine Ass Intoleranz ist nicht heilbar. Eine Behandlung zielt daher auf eine Wirkstoff-Vermeidung oder eine Deaktivierungs-Therapie ab. Als erster Schritt gilt es den Kontakt mit Salicylaten und weiteren COX zu vermeiden. Neben der Wahl von geeigneten Ersatz-Präparaten gehört auch eine gewisse Anpassung der Ernährung dazu. Bestimmte Lebensmittel enthalten Salicylsäure. Vorsicht ist daher geboten bei:

  • Datteln

  • Himbeeren

  • Rosinen

  • Rotwein

  • Curry

  • Paprikapulver

  • Weizenprodukte

  • Fertiggerichte

Bei Medikamenten ist immer auf eine mögliche Kreuzreaktion zu achten. Mithilfe des Arztes kann hier eine Kreuzreaktion-Tabelle erstellt werden, die alle Präparate aufführt, die für den Patienten nicht geeignet sind. Als mögliches Ersatz-Medikament in der Schmerztherapie kommt Paracetamol in Frage solange eine Dosierung von 1000mg nicht überschritten wird.

Kam es bereits zu Folgeerkrankungen des Samter Trias, ist eine adaptive ASS Deaktivierung sinnvoll. Da aufgrund
der Folgeerkrankungen auf die Einnahme von Medikamenten, welche COX enthalten, nicht verzichtet werden kann, muss der Patient gegenüber diesen schrittweise desensibilisiert werden. Hierfür werden dem Patienten zunächst kleine Dosen von ASS verabreicht, die im Lauf der Zeit gesteigert werden, sodass sich der Körper sozusagen an den allergieauslösenden Stoff gewöhnt. Ist eine therapeutische Gabe von ASS oder COX notwendig, fällt die Intoleranz-Reaktion nur gering aus. Bei einer Langzeittherapie muss die blutverdünnende Wirkung von ASS berücksichtigt werden.

 

Quellen: Mein Allergie Portal, Allergiezentrum, Meds4all,

Foto: Shutterstock

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